Die Wunde Welt
Possierliche Tierchen sind das, die da durch Pekings Gassen krabbeln. Eigentlich. Aber sie sind nicht echt, sondern KI-generiert. Und kreuzgefährlich. Wie gefährlich, stellt sich erst am Ende des Abends heraus (dazu gleich mehr), aber man gewinnt schon früh den Eindruck, dass diese Kreaturen aus Metall mit den blau und grün glühenden Augen und den drahtigen Beinen weder für den Himmel noch für Hoffnung stehen. Adlaten der Macht sind es, gierig nach Menschenblut.
Und stets zur Stelle, wenn es danach riecht – was es ja bekanntlich in diesem Eis-Staat die ganze Zeit tut. Etwas zugespitzt formuliert. Der Tod ist ein Meister aus China.
Doch nicht das Land im Fernen Osten hat Anna-Sophie Mahler im Sinn. Sie und ihre Ausstatterin Katrin Connan (bei den eher unauffälligen Kostümen assistiert von Pascale Martin) streben eine Stufe höher. Gleich dem ganzen Globus und dessen prekärem Zustand gilt ihre (berechtigte) Sorge. Danach sieht die Bühne auch aus. Oben und hinten ein weißer Raum mit einer offenen Tür, die ins Irgendwo zu führen scheint, so ganz klar wird das nie in den zweieinhalb Stunden. Jedenfalls ist es ein steriler Ort, an dem Liebe wohl eher nicht möglich ist, dessen Statik aber ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Jürgen Otten
Die Schubertiade feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Seit 1976 trifft hier die Crème de la Crème des Liedgesangs und der Klavier- und Kammermusik auf ein internationales Publikum, stets verbunden mit dem Anspruch, «die Werke Franz Schuberts in einem kleinen Rahmen auf exemplarische Weise zur Aufführung zu bringen», wie ihn Festivalgründer Hermann Prey...
Ein Drama ist’s, ein gar schauerliches dazu. Und gleich in der ersten Strophe von Heines Ballade «Ritter Olaf» werden die katastrophischen Dimensionen dessen, was danach geschieht, schon in Umrissen deutlich: «Vor dem Dome stehn zwei Männer, / Tragen beide rote Röcke, / Und der Eine ist der König / Und der Henker ist der andere.» Und die dritte, möchte man...
Zwei weiße Brücken verbinden die Stralsunder Neustadt mit ihrem historischen Stadtkern. Vom Bahnhofsviertel führen sie direkt durch das ehemalige Stadttor von 1446. Rotschimmernde Dächer setzen sich von Weitem gegen den blaugrauen Sommerhimmel ab. Der Turm der Marienkirche spiegelt sich etwas verzerrt in der Wasseroberfläche des Knieperteiches, der fast den...
