Die Schlacht im Schneewald
Als das Treiben zu bunt wird im ersten Finale, als sich die Musik verknäult zum Showstopper, in dem jeder seine Verwirrung bekundet, da erklimmt sie hinten auf der Bühne das Podium. Ein Racheengel in dunkel bauschender Seide, mit Allonge-Turm auf dem Haupt und ausgebreiteten Armen. Kein Wort mehr möglich, dieser Duchesse entfährt ein Entsetzensschrei, lang, mit Nachhall, mikroportverstärkt und mit anschließendem Blackout. Man darf in diesen Sekunden annehmen: So fühlt sich Sunnyi Melles am wohlsten.
Die Münchner Theaterabende mit ihr als exzentrischem Zentrum sind längst passé. Dieter Dorn, ihr einstiger Chef an den Kammerspielen, später am Residenztheater, formulierte es einmal hintersinnig: Seine Diva sei eben ein «Gesamtkunstwerk». Melles’ Pathos zum Comeback legt irgendetwas nahe zwischen Anouilhs «Antigone» und Shakespeares «Macbeth», gespielt wird aber eine kleine, freche Farce. Und allein wie Gaetano Donizettis «La Fille du régiment» von der Bayerischen Staatsoper umgemodelt wurde, führt (ungewollt?) vor: So ganz einfach ist es in diesen finsteren Zeiten nicht mit den Kriegsstücken.
Zum zweiten Mal ist es dem Haus passiert, dass ein einschlägiges Opus längst programmiert ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Markus Thiel
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Camille Erlanger gehört zu den zahllosen Komponisten, deren Werk in toto der Furie des Vergessens anheimfiel. Die neun Opern des Parisers elsässisch-jüdischer Herkunft sind in ihrem Schwanken zwischen Naturalismus und Symbolismus, Wagner-Nachfolge und Impressionismus typisch für das französische Fin de Siècle. Nachdem Guillaume Tourniaire 2023 beim Wexford-Festival...
Alexander Puschkin ist gerade mal 31 Lenze alt, da schreibt er ein Gedicht, das in seiner gedankenschweren Melancholie klingt wie der Abschiedsgruß eines Lebensmüden. «Der irren Jahre längst vergangene Lust / Liegt lastend wie ein Rausch auf meiner Brust. / Doch wird, wie Wein, der Schmerz, den ich erfahren, / Nur stärker noch und schwerer mit den Jahren. / Mein...
