Die Kunst, Sängerin zu sein

Welche Risiken birgt der Sängerberuf? Wie kann man sich selbst treu bleiben und zugleich den Markt bedienen? In einem Buch, das in Kürze in den Verlagen Bärenreiter und Seemann/Henschel erscheint, gibt Vesselina Kasarova Auskunft. Exklusive Auszüge.

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Die Stimme finden

Als Sie an der Musikhochschule in Sofia Schülerin der berühmten Ressa Koleva wurden, gab es in der Professorenschaft Diskussionen, ob Sie als Sopran, Mezzosopran oder gar als Alt ausgebildet werden sollten.

Das lag vor allem daran, dass meine Stimme nicht den damals in Bulgarien üblichen Vorstellungen von einem Mezzosopran entsprach. Sie war heller, leichter. Ich bin meiner Professorin sehr dankbar, dass sie mich in meinen eigenen Möglichkeiten förderte.

Da sie selber nicht Opern-, sondern Liedsängerin gewesen war, erkannte sie diese wohl klarer als ihre Kollegen.

Singen zu lernen ist ein sehr langer Prozess, ich habe etwa drei Jahre gebraucht, um zu verstehen, was Gesang überhaupt ist. Die Voraussetzung dafür war, dass ich zu Ressa Koleva absolutes Vertrauen hatte. Einen guten Lehrer oder eine gute Lehrerin zu finden, ist das A und O der Ausbildung. Vertrauen und Sympathie zählen dabei fast ebenso viel wie fachliche Kompetenz. Für die Grundausbildung ist ein Lehrer, mit dem man ständig arbeiten kann, wertvoller als eine Koryphäe, die nur punktuell anwesend ist. Wenn ein Professor einen Star hervorgebracht hat, bedeutet das nicht, dass seine Schüler von vornherein ...

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Opernwelt März 2012
Rubrik: Leib und Seele, Seite 48
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