Die Kinder des Orpheus
Wäre Robert Musil Zeuge dieses in vielerlei Hinsicht aufschlussreichen Abends geworden, er hätte vermutlich ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt. Wieder einmal waren sich hier jene zwei Wesenheiten (oder auch: Denk- und Existenzmodelle) begegnet, die Musil in seinem unvollendeten Roman «Der Mann ohne Eigenschaften» so kongenial hatte aufeinander stoßen lassen: der «Wirklichkeitssinn» und der «Möglichkeitssinn».
Als Chiffren für den schier unlösbaren Antagonismus aus fantasielos-tumbem Gebaren hier und gedankenvoller Lebensidee dort, von Musil mit der ihm eigenen literarischen Grandezza ausgeführt, ließen sich diese Wortschöpfungen als Synonym auch für ein Phänomen gebrauchen, welches die zeitgenössische Musik seit langem begleitet – gleichsam stellvertretend für ein grundlegendes Missverständnis ambitionierter Kunst gegenüber. Sucht diese, auch mit dem Wissen um die Gefahr des Scheiterns, nach der Ausdehnung ihrer Mittel, so scheint eben dieser Versuch einer Ausdehnung eine enorme geistige Beschränkung bei denjenigen auszulösen, die dem Neuen a priori mit Entschiedenheit ablehnend begegnen. Konkret auf das, was in Hannover geschah, bezogen: Es hätte nicht viel gefehlt, und der ...
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Samuel Becketts späten Texten kommt man vielleicht am nächsten, wenn man sie als absolute Musik versteht. Die Sprache und ihre Elemente – Laute, Silben, Wörter – sind hier so kombiniert, dass der performative Akt der Rezitation, dass Rhythmus, Melodie und Artikulation zum eigentlichen Medium der Sinnstiftung werden. Ob Dialog oder Prosastück – das letzte...
Rund zwanzig Opern und Singspiele hat Albert Lortzing bis zu seinem Lebensende anno 1851 komponiert. Jahrzehntelang standen davon nur «Zar und Zimmermann» und «Der Wildschütz» im ständigen Repertoire. Jetzt hat das Theater im mittelsächsischen Freiberg die 1849 in Leipzig uraufgeführte «Komisch-romantische Zauberoper» mit dem Doppeltitel «Rolands Knappen oder Das...
«Le Balcon», beschwor Jean Genet anlässlich der Uraufführung seines Schauspiels den Regisseur Roger Blin, solle nicht als Satire gespielt werden. Denn nicht literarische Absteige ist das Bordell der Madame Irma, sondern Großes Welttheater in Form einer «Verherrlichung der Erscheinung und der Spiegelung» (Genet).
Exakt dies hatte Péter Eötvös bei seiner Umformung...
