Die Grammatik der Schöpfung
Am Anfang war das Nichts (das aber, wie Hegel zu Recht anmerkte, nicht das reine Nichts ist, sondern ein Nichts, von dem etwas ausgehen soll), die klaffende Leere als denkbar kleinste Existenz. Wie es darin aussah, wissen wir nicht. Aber ein wenig, was sich danach ereignete: ein lauter Knall, 13,8 Milliarden Jahre vor unserer Zeit, oder, je nach Blickwinkel, die Schöpfung. Glaubt man Hesiod, verdankt die Menschheit ihre Gestaltwerdung aus dem Urzustand des Chaos einer glücklichen göttlichen Verbindung. Hier Nyx, die Königin der Nacht (und Magie), dort Erebos, Fürst der Finsternis.
Gemeinsam brachten sie Aither, den Himmel, und Hemera, den Tag, hervor. Aus der unbestimmten Nacht ging der große Tag der Bestimmungen hervor, aus unförmigen Nebelhaufen die lichtvollste plastische Erscheinung, aus mythischer Transzendenz ontologische Immanenz.
Im ersten Buch Mose, der Genesis, klingt die Geschichte etwas anders. In nur sechs kosmogonischen Tagen schuf (der liebe?) Gott Himmel und Erde und setzte den Menschen darauf fest. Der wiederum aber, so zumindest vermutete Arthur Schopenhauer in einem Akt humaner Rührung, ist seither das einzige Wesen, das sich beständig über sein Dasein wundert. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Jeanine Tesori hat einige der originellsten und bewegendsten Bühnenwerke der jüngeren Broadway-Geschichte geschaffen, darunter «Caroline, or Change» (2004, gemeinsam mit dem Drehbuchautoren und Schriftsteller Tony Kushner), «Fun Home» (2011) und «Kimberly Akimbo» (2021). Ausgebildet und geübt sowohl in klassischem als auch populärem Stil und Repertoire, hat Tesori...
Endlich bekommt man die Beckmesser-Harfe einmal zu Gesicht! Dieses wie auf dürren Vogelbeinen stehende Zwerginstrument, das Richard Wagner erfand (oder erfinden ließ), um den gewünschten Fake-Klang für die Laute des Merkers zu erreichen: ein wenig kläglich, aber doch so, dass die Töne gut zu hören sind in einem großen Opernhaus. In Bonn bringt Beckmesser die Harfe...
Da ist er wieder, der König mit den zwei Körpern. Nicht dauerhaft, aber immer dann, wenn es eng wird, wenn es darum geht, den Gang der Dinge zu beeinflussen, geistert ein maskierter Mann um Idomeneo herum, erst stumm, mit wild-dämonischem Gebaren, später auch als Kommentator. Ein bisschen Mephisto, ein bisschen Derwisch, ein bisschen tanzaffiner Narr, jedenfalls...
