Die Grammatik der Schöpfung
Am Anfang war das Nichts (das aber, wie Hegel zu Recht anmerkte, nicht das reine Nichts ist, sondern ein Nichts, von dem etwas ausgehen soll), die klaffende Leere als denkbar kleinste Existenz. Wie es darin aussah, wissen wir nicht. Aber ein wenig, was sich danach ereignete: ein lauter Knall, 13,8 Milliarden Jahre vor unserer Zeit, oder, je nach Blickwinkel, die Schöpfung. Glaubt man Hesiod, verdankt die Menschheit ihre Gestaltwerdung aus dem Urzustand des Chaos einer glücklichen göttlichen Verbindung. Hier Nyx, die Königin der Nacht (und Magie), dort Erebos, Fürst der Finsternis.
Gemeinsam brachten sie Aither, den Himmel, und Hemera, den Tag, hervor. Aus der unbestimmten Nacht ging der große Tag der Bestimmungen hervor, aus unförmigen Nebelhaufen die lichtvollste plastische Erscheinung, aus mythischer Transzendenz ontologische Immanenz.
Im ersten Buch Mose, der Genesis, klingt die Geschichte etwas anders. In nur sechs kosmogonischen Tagen schuf (der liebe?) Gott Himmel und Erde und setzte den Menschen darauf fest. Der wiederum aber, so zumindest vermutete Arthur Schopenhauer in einem Akt humaner Rührung, ist seither das einzige Wesen, das sich beständig über sein Dasein wundert. ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
arte
03.11. – 17.40 Uhr
Das Requiem von Fauré im Pariser Panthéon
Ein besonderer Ort für ein besonderes Konzerterlebnis: Das Panthéon bildet die beeindruckende Kulisse für Gabriel Faurés Meisterwerk «Le Requiem», aufgeführt vom Orchestre de Chambre de Paris unter der Leitung von Thomas Hengelbrock. Es ist das erste Konzert des Dirigenten in seinem Amt als...
Der Teufel trägt Trenchcoat, beigefarben, darunter ähnlich getönten, ziemlich edlen Zwirn, einen Anzug samt Hemd und Weste; auf der Nase sitzt eine modische Brille. Könnte, so elegant, wie ihn Kostümbildnerin Julia Rösler eingekleidet hat, durchaus ein feiner Herr sein, doch ebensogut würde der grandios spielende und extrem variabel singende Krzszytof Bączyk als...
Dieser Fürst der Finsternis ist ein schamloser Charmeur. Zum Liebesspiel verführt er so gewandt wie zum Würfelspiel und zur Schwarzen Magie, dank der sich treffsichere Freikugeln gießen lassen. Davon und von weiteren Winkelzügen des Zufalls weiß sein Knecht Kaspar ein Lied zu singen (dämonisch prägnant: Seungweon Lee). Zu einem veritablen Mephisto mutiert dieser...
