Nahe bei Black Rider
Dieser Fürst der Finsternis ist ein schamloser Charmeur. Zum Liebesspiel verführt er so gewandt wie zum Würfelspiel und zur Schwarzen Magie, dank der sich treffsichere Freikugeln gießen lassen. Davon und von weiteren Winkelzügen des Zufalls weiß sein Knecht Kaspar ein Lied zu singen (dämonisch prägnant: Seungweon Lee). Zu einem veritablen Mephisto mutiert dieser Samiel, der – nach den sommerlichen Festspielinszenierungen in Bregenz und Eutin – nun vollends zur heimlichen Hauptfigur in Webers «Freischütz» wird.
In der in Text und Musik erweiterten Neufassung am Oldenburgischen Staatstheater mimt ihn der charismatische Schauspieler Martin Bermoser wie einen Johannes Heesters des 21. Jahrhunderts. In Glitzerfrack, Lackschuhen und Zylinder gibt er den Conférencier, der die Geschichte erst auslöst. Im Prolog noch vor der Ouvertüre verspricht er «Erfolg, Leidenschaft, Glück, Erfüllung und Macht für ein Weilchen». Autorin Susanne Felicitas Wolf hat ihm die Worte in den Mund gelegt, die usbekisch-australische Komponistin Elena Kats-Chernin ihrem Samiel ein atmosphärisch anmutiges Melodram geschrieben. Goethes «Faust»-Beginn als Vorspiel auf dem Theater lässt grüßen. Eine heitere Tragödie ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Peter Krause
Nur wenige Jahre nach dem legendären Bayreuther «Ring» 1976 von Patrice Ché-reau – inklusive realistischem Wasserkraftwerk, kapitalismuskritischer Durchtriebenheit in der Personenregie sowie sängerischen Höchstleistungen (Donald McIntyre, Peter Hofmann und Gwyneth Jones)– schickte sich das Opernhaus Stuttgart an, mit drei Opern des US-amerikanischen Minimalisten...
Sollte der Tod zufällig Tuba spielen», schreibt Gordon Kampe in seiner Partitur «Sasja und das Reich jenseits des Meeres», dann möge er hier «richtig schön wild und gaga» spielen – eben so, wie man es nicht komponieren kann. Den Tod singt in der Münsteraner Uraufführung von Kampes jüngstem Musiktheaterwerk Oscar Marin-Reyes, und er kann Tuba spielen. So darf in...
Die Liebe, heißt es ebenso apodiktisch wie unwiderlegbar in John de La Bruyères Traktat «Les caractères de Théophraste», beginnt stets mit der Liebe, mit ihrer (zeitlosen) Immanenz. Auch Théophile Gautier dachte wohl an diese schönste, zugleich schmerzlichste aller zwischenmenschlichen Empfindungen, an ihre vielfältigen, einander widersprechenden...
