Die Freiheit suchen

Erst war er Knabensopran, später Bariton. Dann kam eine Krise. Und dann erst entdeckte Bejun Mehta die Counterstimme in sich. Seit seinem Auftritt in Händels «Theodora» bei den Salzburger Festspielen zählt er zu den führenden Interpreten seines Fachs.

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Herr Mehta, Ihrem Namen nach entstammen Sie einer Familie, die von den Musen geküsst ist. Konnten Sie überhaupt etwas anderes werden als Künstler?
Zubin Mehta, der Cousin meines Vaters, sollte ursprünglich Arzt werden. Dann ist er Musiker geworden. Bei mir war es so, dass ich mir nie vorstellen konnte, etwas zu tun, das nichts mit Musik zu tun hatte. Ich komme aus einer musikalischen Familie. So lange ich denken kann, habe ich Musik gemacht. Das gehörte einfach zum Leben. Auch als ich noch Bariton gesungen habe, war das selbstverständlich.

Dabei war ich nicht besonders gut als Bariton.

Was heißt «nicht besonders gut»?
Als Bariton hätte ich niemals auf dem Niveau Karriere machen können, auf dem ich jetzt singe. Ich fand in dieser Lage einfach keinen Weg, um wirklich gut zu singen. Meine Vorstellungen von dem, was ich wollte, entsprachen nicht dem, was aus der Kehle kam. Deshalb habe ich Ende 1996, als ich den Bariton aufgab, mehr als ein halbes Jahr die Musik ganz an den Nagel gehängt. Das Cello stand in der Ecke, kein gesungener Ton kam über meine Lippen, kurz: Ich habe damals hart daran gearbeitet, kein Musiker, kein Künstler zu sein. Ohne diese Erfahrung wäre ich heute gewiss ein ...

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Opernwelt November 2011
Rubrik: Interview, Seite 40
von Jürgen Otten

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