Die Freiheit suchen
Herr Mehta, Ihrem Namen nach entstammen Sie einer Familie, die von den Musen geküsst ist. Konnten Sie überhaupt etwas anderes werden als Künstler?
Zubin Mehta, der Cousin meines Vaters, sollte ursprünglich Arzt werden. Dann ist er Musiker geworden. Bei mir war es so, dass ich mir nie vorstellen konnte, etwas zu tun, das nichts mit Musik zu tun hatte. Ich komme aus einer musikalischen Familie. So lange ich denken kann, habe ich Musik gemacht. Das gehörte einfach zum Leben. Auch als ich noch Bariton gesungen habe, war das selbstverständlich.
Dabei war ich nicht besonders gut als Bariton.
Was heißt «nicht besonders gut»?
Als Bariton hätte ich niemals auf dem Niveau Karriere machen können, auf dem ich jetzt singe. Ich fand in dieser Lage einfach keinen Weg, um wirklich gut zu singen. Meine Vorstellungen von dem, was ich wollte, entsprachen nicht dem, was aus der Kehle kam. Deshalb habe ich Ende 1996, als ich den Bariton aufgab, mehr als ein halbes Jahr die Musik ganz an den Nagel gehängt. Das Cello stand in der Ecke, kein gesungener Ton kam über meine Lippen, kurz: Ich habe damals hart daran gearbeitet, kein Musiker, kein Künstler zu sein. Ohne diese Erfahrung wäre ich heute gewiss ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2011
Rubrik: Interview, Seite 40
von Jürgen Otten
Längst haben Countertenöre die Kreise der Alten und Neuen Musik verlassen und begonnen, sich auch das dazwischen liegende Repertoire anzueignen. Jochen Kowalski war einer der Ersten, der Liederabende mit einem klassisch-romantischen Programm riskierte – und Gehör fand. Philippe Jaroussky gelang 2009 eine kleine Sensation mit seinem wahrhaft berauschenden Album...
Als er sich kürzlich nach der Premiere von Schoecks «Penthesilea» auf der Bühne der Frankfurter Oper blicken ließ, gab es kein einziges Buh. Hans Neuenfels verbeugte sich – und wurde gefeiert. Wie sich die Zeiten ändern. In Frankfurt tobten einst seine härtesten Opernstürme, in der Ära von Michael Gielen und vorher schon, als er eingeladen wurde von Christoph von...
Bei Francis Poulenc spürt man, was das Kunstlied im Grunde ist: gesungene Literatur. Seine Mélodies greifen fast immer auf Verse höchsten Anspruchs und lebender Dichter (also der Surrealisten) zurück. Im Biotop Paris, wo jeder jeden kannte, war das auf persönliche Weise möglich. Sie sind, was Rimbaud von einer Kunst auf der Höhe der Zeit verlangte: absolut modern....
