Die andere Dimension
Hohe Poesie war es nicht unbedingt, was da in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «Musica» des Jahres 1967 zu lesen war. Aber dazu fühlte sich der Kritiker Hans Böhm auch nicht berufen. Seine Aufgabe bestand darin, eine Uraufführung an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber zu besprechen: «Weiße Rose», von ihren Autoren, dem Kompositionsstudenten Udo Zimmermann sowie dem Publizisten und «theologischen Assistenten» Ingo Zimmermann, als «ein Stück für Musiktheater» apostrophiert.
Die Sprache der «Weißen Rose», so Böhm, sei «knapp und klar», der dramaturgische Aufbau habe ihn – insbesondere im zweiten der sechs Bilder, einem ergreifend als Bewegungschor gestalteten Flüchtlingszug Auschwitzer KZ-Häftlinge – überzeugt, die Technik des epischen Theaters sei gültig zur Anwendung gelangt, kurzum: Man werde sich den Namen des jungen Tonsetzers merken müssen.
Der Wunsch wurde Wirklichkeit. Bald schon, Zimmermann hatte seine Studien bei Günter Kochan in Berlin fortgesetzt, galt der gebürtige Dresdner als einer der vielversprechenden DDR-Komponisten. Und er erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen bereits mit seinen Folgewerken für das Musiktheater. «Levins Mühle», wiederum auf ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jürgen Otten
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