Dialog ist alles

Dem Dirigenten, Cembalisten und Musikologen William Christie zum 80.

Opernwelt - Logo

Erinnern wir uns. Es war ein heißer Augusttag des Jahres 2018 in Salzburg, man konnte froh sein, dass im Haus für Mozart die Klimaanlage funktionierte. Ein bisschen mulmig konnte einem trotzdem zumute werden angesichts dessen, was sich auf der Bühne ereignete.

Jan Lauwers hatte sich Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» vorgenommen und anscheinend den erklärten Willen, die ganze Welt in Schwindel zu versetzen – mit «Szenen wie in der Sixtinischen Kapelle», so der belgische Regisseur, der mit seiner Needcompany zuvor vor allem mit Tanztheater-Produktionen für Furore gesorgt hatte. Ähnliches gelang ihm auch mit dieser bildmächtig-bewegungsintensiven Inszenierung. Drei Stunden lang drehten sich Tänzerinnen und Tänzer, einander abwechselnd, auf einem Gemälde, das Michelangelo nachempfunden war, auf einem kleinen Podest, wie Brummkreisel – «solistisch, solipsistisch, autistisch», wie der Korrespondent der «Opernwelt» seinerzeit süffisant anmerkte.

Das Auge war also schwer beschäftigt. Dass dennoch die Musik als Siegerin vom Platz ging, lag an einer Sängerinnen- und Sängerbesetzung, die glorreicher (und kostenintensiver) wohl kaum hätte sein können: Sonya Yoncheva verkörperte mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Nicht ohne meine Mutter

Nur ein einziges Mal, etwa in der Mitte des Stücks, wird die Beziehung der beiden Frauen klar: «Mommy», singt da Bibi, worauf Lumee mit einem Wutausbruch reagiert, dass die Tochter es wagte, sie als Mutter anzusprechen. Es ist die Schlüsselszene in Ellen Reids Kammeroper «PRISM» auf ein Libretto von Roxie Perkins. Die amerikanische Komponistin aus Tennessee gewann...

Tod auf Kredit

Man sieht es und staunt. Nell kann gehen. Zumindest am Anfang dieses Abends, der vom Ende erzählt und wie man sich darauf vorbereitet, wie man die Stufen vom Sein zum Nichts herabschwebt, ohne schwindelig zu werden. In Frack und weißem Hemd tritt also die Frau, die im Stück nach einem Unfall keine Beine mehr hat, vor den Vorhang, lächelt ins Publikum und singt mit...

Glücklich ist, wer gewinnt

Es war Herbert von Karajan, der vor bald 40 Jahren den Impuls gab: Im Gespräch mit Liz Mohn beklagte der Maestro einst die fehlende Förderung des Operngesangs in Deutschland. Der Gedanke ließ die heutige Witwe des Bertelsmann-Chefs Reinhard Mohn nicht los, und so rief sie 1987 den internationalen Gesangswettbewerb «Neue Stimmen» ins Leben, der seither im...