Der Wille zur Freiheit
Ist das ein Handlungsballett, eine Tanzphantasie oder doch eine typische Operninszenierung, was Wim Vandekeybus auf die Bühne in Antwerpen bringt? In jedem Fall ist es Musiktheater, schließlich wird die Geschichte von Bizets «Carmen» mit Gesang erzählt, nur eben ganz anders als sonst und ohne jeden Folklorismus. Bei Vandekeybus geht es um Archaik, Mystik, um Animalisches. Trotzdem wird ausgelassen (und athletisch) gefeiert, so etwa zu Beginn des Finalakts.
Kuttenbewehrte Tänzerinnen und Tänzer, die zuvor ihre Gesichter verborgen hielten, fangen auf einmal an, in die Lüfte zu springen und ihre Körper hin und her zu werfen. Dazu spielt das Orchester unter der Leitung von Keren Kagarlitsky einen flott-federnden, äußerst beherzten Entr’acte, zunächst ohne jedes Auftrumpfen. Das folgt, mit martialischen Sforzato-Akzenten, erst am Schluss dieses bemerkenswerten Abends.
Tänzerisch hat diese Kompanie, die aus der Balletttruppe von Opera Ballet Vlaanderen und aus Vandekeybus’ eigenem Ensemble «Ultima Vez» gebildet wurde, wenig mit dem «klassischen» Ballett gemein. Was sie vor der Stierkampfarena (aber nicht nur dort) zeigen, folgt einer strengen Choreographie, wobei die tänzerischen ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Richard Lorber
Lullys «Bellerophon» von 1679, wo der Held die dreigestaltige Chimäre in einer spektakulären Flugaktion auf dem Wunderpferd Pegasus – ein Triumph der Bühnenmaschinerie – besiegt, hatte sich ein Jahr lang in Paris auf der Bühne gehalten und wurde auf königlichen Wunsch im Januar 1680 in dessen Residenz in Saint-Germain-en-Laye neu produziert, wenige Wochen vor der...
Es wird hektisch, der Gatte naht. Ein Sprung hinter den Lehnstuhl, ein kopfloses Fliehen an der Rampe auf der Suche nach dem Versteck im Nebenraum. Normalerweise käme irgendwann der Sprung durchs Bühnenfenster in den Garten oder, manche Regisseure wollen auf den nahe liegenden Gag ja nicht verzichten, in den Orchestergraben. Man denkt an Mozarts «Figaro», muss sich...
Person und Werk möglichst strikt voneinander zu trennen gehört für den Rezipienten bei Richard Wagner zu den wichtigsten Überlebensstrategien. Bei manchem seiner Exegeten empfiehlt sich eine ähnliche Trennung, bei Stefan Mickisch zum Beispiel, der fünfzehn Jahre lang bei den Bayreuther Festspielen Einführungsvorträge veranstaltete – zunächst auf offizieller Seite,...
