Der verflixte Kanon
Es gibt einen Solitär unter Mozarts Liedern: «Die Alte» – original in e-Moll, «Ein bischen durch die Nase» zu singen. Eine Parodie, wenn nicht Karikatur. Eine betagte Dame der besseren Gesellschaft stimmt das unverwüstliche Lamento an: wie gut doch alles früher war und wie schlimm die Gegenwart. Ein Gespenst, das auch in vielen kulturpessimistischen Tiraden umgeht, das Gespenst des «Kanons».
Es schwebt über allen möglichen ästhetischen, pädagogischen, kulturpolitischen Debatten, signalisiert scheinbar unverrückbar, was «man» gelesen, gehört, gesehen, gespielt haben sollte. Nur: Natürlich variiert Kanonisiertes in Zeit und Raum erheblich. Mussten Schüler einst die deutschen Kaiser und lange Schiller-Balladen auswendig lernen, so galten damals «Così fan tutte», «Idomeneo», oder «La clemenza di Tito» keineswegs als Standard, und niemand spielte Schubert-Sonaten. Das Repertoire ähnelt einer Blase, die sich unaufhörlich dehnt und verengt, Aspekte fokussiert oder negiert. Und was als bildungsbürgerlich verpflichtende Norm galt, ist heute weit weniger gültig. Im Blick auf das Beethoven-Jahr 2020 lässt sich feststellen, dass der Komponist, Inbegriff «erhabener» Klassik, nicht mehr per se ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard R. Koch
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren im Februar 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B =...
Anders als das gerade vergangene Offenbach-Jahr verspricht das Beethoven-Jubiläum kaum Neuentdeckungen – schon gar nicht im Musiktheater. Natürlich können Ballettkompagnien die «Geschöpfe des Prometheus» für sich entdecken oder – wie demnächst in Bonn – das Oratorium «Christus am Ölberge» vertanzen. Im Grunde aber bleibt doch nur der «Fidelio», das mehrfach...
Griechische Nationaloper
Rund 620 Millionen Euro hat sich die Stiftung des Reeders Stavros Niarchos für ein 2016 eröffnetes Kulturzentrum am Stadtrand von Athen kosten lassen. Seitdem residiert dort die Griechische Nationaloper, die nun mit Bergs «Wozzeck» ihre Bemühungen um die klassische Moderne fortsetzt. Wir sind dabei
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