Der Sache verpflichtet
Der Brief, den Sergej Rachmaninow im Oktober 1908 aus Dresden an den Regisseur Konstantin Stanislawski schrieb und als Klavierlied vertonte, damit Fjodor Schaljapin ihn vorsingen konnte, wäre für manchen Interpreten vielleicht Anlass zur vokalen Augenzwinkerei, zu reflexhafter Ironie gewesen.
Doch der Bariton Jacques Imbrailo trägt ihn auf seiner neuesten CD so vor, wie er gemeint ist: als Glückwunsch zum zehnjährigen Bestehen des Moskauer Künstlertheaters, als Erinnerung an die gemeinsame persönliche Verbundenheit mit Anton Tschechow, als Verständigung über ein Ideal von Kunst, das auf Intimität, Aufrichtigkeit, psychologische Genauigkeit zielte. Imbrailo singt mit einer geradlinigen Herzlichkeit, der es um die Sache geht, nicht um das Ausstellen von Gefühlen.
Überhaupt ist an diesem Album «Sibelius & Rachmaninov: Songs» die Haltung des Singens ganz erstaunlich: Lyrisch und weich im Timbre, aber fast durchweg mit voller Stimme werden die «Fünf Weihnachtslieder» von Jean Sibelius, in ihrer choralhaften Schlichtheit völlig gesangbuchtauglich, von Imbrailo angegangen, genauso wie die tief religiös grundierten Lieder «Christ ist erstanden» und «An die Kinder» von Rachmaninow. Hier ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 39
von Jan Brachmann
alpha
02.09. – 20.15 Uhr
Wagner: Tristan und Isolde, 3. Aufzug
Aus dem Herkuslessaal der Münchner Residenz
Aufzeichnung der konzertanten Aufführung (1981) mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Leonard Bernstein.
arte
02.09. – 17.40 Uhr
Seiji Ozawa dirigiert Beethovens 7. Symphonie
Aufzeichnung des Konzerts im Rahmen des 1992...
Vor der Premiere ist der Autostau entlang des Neusiedler Sees so lang, dass sie später beginnen muss. Über 6000 Sitzplätze wollen bei den Seefestspielen Mörbisch jeden Abend gefüllt sein, 220 000 pro Saison. Das gelang zuletzt nicht einmal dem legendären Altintendanten Harald Serafin, der zu Boomzeiten den Zuschauerraum erweitert hatte. Erst recht nicht seiner...
Der 19. August 1945 war für Leo Borchard ein besonderes Datum. Und das lag nicht nur daran, dass er an diesem Tag im Titania-Palast an der Spitze «seiner» Berliner Philharmoniker stand, sondern, weit mehr noch, am Programm des Konzertabends. Vor der Pause dirigierte Borchard Beethovens Erste und Strauss’ «Don Juan», im zweiten Teil lag die Partitur eines seiner...
