Der Nihilist und sein Narr
Sein oder Nichtsein, das ist hier zunächst nicht die Frage. Jedenfalls nicht die allesentscheidende. Man muss schon etwas (und aufmerksam) weiterlesen in Hamlets berühmtem, meist unzulässig verkürzt verstandenen Monolog zu Beginn des zweiten Aufzugs von Shakespeares Drama, um wirklich zu verstehen, was den Dänenprinzen umtreibt, was ihn quält, was ihn zum Philosophen (wider Willen?) werden lässt.
Weniger die Idee des Selbstmords ist es als vielmehr die Frage: Welche Handlung kann ich vollziehen, wenn mein Gewissen mich plagt? Und wie sehr hindert mich mein Denken daran, zu tun, was ich tun muss? Wie komme ich gut aus dieser Nummer raus?
Hamlets Entscheidung ist für das Theater eine mehr als glückliche: Hamlet spielt. Und das mit größter Wonne, größter Lust. Er spielt den Verrückten, den Wahnsinnigen, den von jedwedem irdischen (erotischen) Verlangen Entwöhnten, er spielt den kranken, irren, kaputten Mann. Erst dies verschafft ihm jene Narrenfreiheit, die er benötigt, um jenes Werk in Gang setzen zu können, nach dem ihn seit zwei Monaten verlangt. Denn nach blutiger Rache dürstet es den Vaterlosen – für einen feigen Mord, begangen am vormaligen König von Dänemark, seinem Vater.
D ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Wir sind in einem mittelalterlichen Märchenland des Ariost. Einem sagenhaften Schottenreich. Wir sind in der Oper. Eine Prinzessin, Ginevra, entsteigt dem Baldachinbett. Ihre Zofe, Dalinda, hält ihr bei der Morgentoilette neckisch ein britisches Boulevardblatt entgegen. Auf der Titelseite prangt das Konterfei der Königstochter neben dem ihres Anbeters. Ihm weiht...
P = Premiere ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Massenet, Manon: 1., 10.
- Berg, Wozzeck: 4., 9., 11., 17., 25., 30.
Altenburg
siehe Gera
Augsburg Theater Augsburg martini-Park
www.theater-augsburg.de
- Purcell, The Fairy Queen:...
Herr Zeppenfeld, Anfang Februar haben Sie an der Dresdner Semperoper die Titelpartie in Verdis «Attila» gesungen, es folgte der Graf Rodolfo in Bellinis «La sonnambula». Ist es eine Genugtuung, dass Sie endlich wieder im italienischen Fach besetzt werden?
Irgendwie schon. Das Fach wird ja deutschen Sängern normalerweise nicht zugetraut. Und es ist eine Self-fulfill...
