Der menschliche Makel
È sogno? O realtà? Ist’s Traum? Oder Wirklichkeit? Die Frage, die sich der vermeintlich gehörnte Ford stellt, nachdem Sir John Falstaff dem inkognito ins Wirtshaus hereingeschneiten Gast seine sehr persönliche Sicht der Dinge dargelegt hat, ist durchaus berechtigt. Denn der bedauernswerte «Fontana», wie sich Ford wenig einfallsreich nennt, muss annehmen, seine Gattin Alice habe die schlimme Absicht, ihn zu betrügen. Und diese Annahme bringt ihn so sehr in Rage, dass er sich stante pede in ein rasendes Rumpelstilzchen verwandelt.
Was wiederum Simon Keenlyside auf der Bühne des Großen Festspielhauses zu einer sängerisch wie darstellerisch virtuosen Tour de force über die Auswüchse und Abgründe einer der sieben Todsünden animiert, einem furiosen, zunächst tonartenlosen, dann auf karstiges Es-Dur-Gebiet (mit Molleintrübung) stürzenden Allegro agitato, das die Enthemmtheit der kleinbürgerlichen Seele mit den schönsten musikalischen Mitteln zum (ekstatischen) Ausdruck bringt.
Es ist dies einer der wenigen Höhepunkte einer Inszenierung, die sich viel vorgenommen hat, diese Vielheit an Gedankenspielen aber so sehr in seine Einzelteile zerlegt, dass man sich schon zur Pause recht ratlos ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Mit Beethoven hat die Schweinerei in der Musik begonnnen.» Der Satz könnte manchen Klassikverehrer schier in Rage versetzen: als kulturrevolutionär-dadaistische, schier blasphemische Schmähung eines schlechthin Erhabenen. Dabei stammt die Sentenz mitnichten von einem dandyhaften Provokateur: Der Wiener Komponist Josef Matthias Hauer geriet zwar mit Arnold Schönberg...
Unter dem etwas kryptischen Titel «Maria Mater Meretrix» – frei verdeutscht «Heilige, Mutter, Hure» – legt die Sopranistin Anna Prohaska ihr jüngstes Konzeptalbum beim Label Alpha Classics vor. Diesmal hat sich die singende Extremistin mit einer ebenso radikal kompromisslosen Kollegin, der Geigerin Patricia Kopatchinskaja, verbündet. Die beiden absolvieren,...
Jede Zeit hat ihre Geschichten. Wobei sich die Beziehungsdramen, von anno dunnemals bis in die Gegenwart, im Kern gar nicht so sehr unterscheiden. «Ein Jüngling liebt ein Mädchen, / die hat einen anderen erwählt …» In Giuseppe Verdis «Ernani» sind es gleich drei Männer, die ein- und dieselbe Frau begehren. Aber nur einen davon, den jüngsten und schönsten, liebt...
