Der Mensch ist sich selbst Teufel genug
Ob die Musikgeschichte gerecht sei? Es ist dies eine ebenso berechtigte wie stetig wiederkehrende Frage. Denn mit jedem Geschmackswandel, mit jeder neuen Kritik an alten Gewissheiten (und Klischees) tun sich neue Grabungsstätten auf. Seit bald 15 Jahren arbeitet eine emsige Gruppe musikalischer Archäologen unter dem Dach der Stiftung Palazzetto Bru Zane an der Neubewertung der klangvollen französischen (Spät)Romantik.
Das ist auch bitter nötig, denn seit Wagners wirksamer Polemik gegen die Grand Opéra wurde ein großer Teil dieser Musik lange missachtet; in den Schubladen schlummert noch einiges, was eine Wiederentdeckung lohnen würde. Neben der Konzentration auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, die mit der staatsstreichartigen Machtübernahme der «Bastardmonarchie» Napoleons III. einsetzt, haben die Schatzgräber aus Venedig (mit Pariser Dependance) in Notenarchiven und Bibliotheken einen weiteren Schwerpunkt definiert – die Suche nach vergessenen Komponistinnen jener fernen Zeit.
Unter ihnen sticht insbesondere das Schicksal der Louise Bertin ins Auge: Als Tochter des einflussreichen Herausgebers Louis-François Bertin wächst sie in einem wohlhabenden Pariser Haus auf; Kunst- ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Regine Müller
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Diesem allerdings schon. Ein kalter, sonnendurchfluteter Winternachmittag am Rande des Bebelplatzes in Berlins Mitte. Im Rücken die Staatsoper, vor uns das Hotel de Rome, in das Katharina Kammerloher aber nicht gehen möchte, weil es ihr doch einen Hauch zu mondän ist. Ein erstes offenherziges Lächeln, dazu ein...
Offenbachs Opéra bouffe «Die Banditen» steht zu Unrecht im Schatten bekannterer Hits aus seiner Feder – sie ist selbst einer. Musikalisch zeigt sich eine Perlenkette mit raffinierten Chören («Sie trappen, sie trappen, sie trappen, sie trappen, sie trappen!») und Ensembles, wie es jener vom «Mozart des Champs-Élysées» kultivierten Form einer Edeloperette würdig ist....
Ist die Operette noch zu retten? Diese nicht. Jedenfalls nicht, wenn man es wie in Chemnitz macht. Dann bleibt von Eduard Künnekes amüsant-geistvoller Konversationskomödie größtenteils nur Klimbim übrig, irgendwo angesiedelt zwischen Musical und Varieté, überwölbt von einer Erzählung, die ihre eigene Botschaft durch komisch gemeinten Trubel permanent negiert.
Künne...
