Der Himmel so schwarz

Die Staatsoper Hannover wagt sich mutig an ein heikles Thema und präsentiert die Uraufführung von Michael Wertmüllers «Echo 72. Israel in München» in einer höchst sehens- wie hörenswerten Arbeit

Opernwelt - Logo

Geschichte, und hierin liegt der fundamentale Irrtum Francis Fukuyamas, ist nie zu Ende. Geschichte wiederholt sich, in Schleifen oder Schüben, Kreisen oder Wellen, und hier wiederum irrte Marx: Eine Farce ist Geschichte selten, eine Tragödie hingegen schon. Es genügt, um einen Beleg für dieses Theorem zu finden, das Gedenken an den 7. Oktober 2023.

An diesem Tag überfiel ein Terrorkommando der Hamas den an der Grenze zum Gazastreifen gelegenen Kibbuz Kfar Aza und richtete dort ein Massaker an, das in seiner Brutalität einzigartig war, letztlich jedoch ein Kontinuum darstellt, als Ausdruck eines tiefliegenden Hasses gegen das jüdische Volk. Man sollte die Ereignisse nicht miteinander vergleichen. Und doch gibt es eine Parallele zu den Vorfällen vom 5. September 1972 bei den Olympischen Spielen, als elf israelische Sportler, die nach München gekommen waren, um sich in einem fairen Wettkampf zu messen, von palästinensischen Terroristen ermordet wurden. Und auch schon damals schaute die Welt zu – das zu Beginn des Jahres in die Kinos gekommene Filmdrama «September 5» legt davon so erschütternd wie glaubwürdig Zeugnis ab.

Diese Vorrede ist nötig, um die (kultur)politische Dimension ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Bunte Träume

Seien wir ehrlich: Den Mann kannten wir bislang nicht. Und auch nicht seine Werke für Orchester, Chor, Klavier und Kammerensembles. Ursächlich für diese sträfliche Repertoire-Lücke ist die traurige Tatsache, dass der kroatische Komponist Blagoje Bersa (1873–1934) zwar in seiner Heimat eine Größe war, jenseits der Grenzen aber kaum rezipiert wurde. Insofern darf man...

Unentschieden

Im Kabinett der Frauenfiguren Massenets wirkt sie beinahe wie ein Mauerblümchen. Aber das ist angesichts der Konkurrenz nur zu verständlich, wirft man im Geiste einen Blick auf Thaïs, die frömmelnd-verführerische Kurti -sane, auf das mondäne Gespann Cléopatra und Roma, die geheimnisumwitterte Hérodiade oder auf Ariane, mythisch angehauchte Schwester des Wein- und...

Wolken am Firmament

Das «Urlicht» glimmt noch, aber Samuel Hasselhorn, der mit dem gleichnamigen Album und Orchesterliedern von Mahler, Korngold, Zemlinsky und Braunfels kürzlich erst Furore machte (berechtigter Lohn war die Kür zur «CD des Monats»), bewegt sich bereits wieder in den Gefilden der frühen Romantik, einer ihm zutiefst vertrauten ästhetischen Landschaft: «Licht und...