Gegen das Vergessen
Die Greek National Opera bringt im Großen Saal ihres architektonisch wunderbaren Renzo-Piano-Baus regelmäßig die großen Repertoirestücke heraus. Direkt nebenan gibt es mit der «Alternative Stage» eine weitere Spielstätte für rund 500 Gäste; der multifunktionale Raum ist wohl einer der wenigen Orte überhaupt, wo es möglich ist, pro Spielzeit vier neue Bühnenwerke zu präsentieren. Nun kam dort «Madre Salonico» zur Uraufführung, ein Stück, das mehr Theater mit Musik ist als genuines Musiktheater.
Madre Salonico – das ist die Mutter Thessaloniki, über Jahrhunderte hinweg mediterranes Schutzgebiet für jüdische Flüchtlinge, besonders für die sephardischen. Lange waren die jüdischen Bewohner die größte Volksgruppe der Stadt – vor den Türken und, weit abgeschlagen, den Griechen. Hauptsprache war das heute fast ausgestorbene Ladino, ein spanischer Dialekt mit hebräischen und wenigen griechischen Einsprengseln.
Die Geschichte um die einst berühmte Sängerin Zana und ihren Enkel Idó, der in New York lebt, ist ein bisschen konstruiert, und die Musik besteht aus einfachen Liedern – aber das macht nichts. Die Anliegen dieses Abends sind andere, und sie sind gewichtig: Eine wichtige, reichhaltige ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Stephan Knies
Man könnte denken, Johann Friedrich Agricola habe mit seinem Geburtsort geographische Gerechtigkeit walten lassen. Bald auf den Meter genau in der Mitte zwischen den Städten Altenburg und Gera liegt das Dorf Dobitschen, wo Agricola 1720 als Sohn eines «Fürstlich Altenburgischen und Freiherrlich Bachofenischen Kammeragenten und Gerichtsdirektors» zur Welt kam....
Dass sich eine Karotte zum Herrscher über ein ganzes Reich ausrufen lässt und dank eines bösen Zaubers so lange (leider auch miserabel) herrscht, bis sie, nun ja, welk wird: So eine Idee ist nicht untypisch für die satirische Bühnenwelt Jacques Offenbachs und seiner Librettisten. Dennoch gehört «Le Roi Carotte», vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1869 begonnen,...
Die Libretti der berühmtesten Opern Giacomo Puccinis werden häufig unterschätzt. Dabei sind die Szenen präzise, und die Musik folgt jeder Nuance. Etwa wenn Toscas Besänftigung wieder in die nächste Eifersuchtsattacke umkippt; wenn Mario Cavaradossi nicht ganz bei der Sache ist, sondern eine Spur abgelenkt; wenn Scarpia es sich in seiner abgrundtiefen Schlechtigkeit...
