Der doppelte Jakob
Rund zehn Bahnminuten von St. Gallen entfernt liegt das Städtchen Herisau, wo der Dichter Robert Walser seine letzten 23 Jahre in einer Heil- und Pflegeanstalt verbrachte. Dieser regionale Bezug mag das Theater St. Gallen bewogen haben, Benjamin Schweitzers Vertonung des in Walsers Werk zentralen Romans «Jakob von Gunten» auf die Bühne zu bringen. Die Kammeroper des 1973 geborenen Komponisten war im Jahr 2000 in Meißen uraufgeführt worden, zwei Jahre später kam es zur ersten Schweizer Produktion in Walsers Geburtsort Biel.
Das vom Komponisten selbst aus dem Roman zusammengestellte Libretto hält sich eng an den Plot – vom Eintritt Jakobs in eine dubiose Dienerschule über die (durch erotisches Begehren geprägte) Beziehung des Knaben zu Schulleiter Benjamenta sowie zu dessen Schwester Lisa bis hin zur Auflösung der Schule und Benjamentas Aufforderung an Jakob, mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Dem Tagebuchcharakter der Vorlage entsprechend verdoppelt Schweitzer die Titelfigur: Dem Bariton, der gleichsam den handelnden Protagonisten verkörpert, stellt er einen Sprecher als das notierende, reflektierende Alter Ego an die Seite. Dass diese Aufteilung nie schematisch wirkt, ist in St. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dreimal Festspielauftakt im Juli 2009 – aber deshalb gleich drei Fälle für den DVD-Markt? Profiterwartung schlägt da künstlerische Notwendigkeit. Denn ob «Lohengrin» aus München oder «Aida» aus Bregenz: Es gibt wahrlich bessere Produktionen auf Silberscheiben. Einzig die Salzburger «Theodora»-Inszenierung, von Christof Loy als Oper ohne alles im Großen Salzburger...
Auch das Augsburger Stadttheater muss empfindliche Kürzungen während der laufenden Saison verkraften. Doch Regisseurin Yona Kim, in Südkorea geboren, in Wien ausgebildet und demnächst in Stuttgart mit Chaya Czernowins «Pnima» aktiv, scheint das eher zu beflügeln.
Mit Bühnenbildnerin Etienne Pluss reißt sie für «Lucia di Lammermoor» weite, dumpf schimmernde,...
Ring»-müde? Gilt nicht für Rhein-Main. Viele Opernbühnen der Region planen den tetralogischen Kraftakt. Da werden wohl wieder beträchtliche Kapazitäten gebunden. Oder ist der monumentale Viererpack inzwischen das Normalmaß für theaterunternehmerischen Ehrgeiz? Die Zustimmung des Publikums scheint, woran ein Walter Legge noch nicht glauben wollte, absolut sicher. In...
