Der Blick zurück

Verdi: Rigoletto GRAZ | OPER

Opernwelt - Logo

Babyfreuden im Hause Rigoletto! Eng umschlungen fahren die Eltern ihren Kinderwagen spazieren, an dem ein herzförmiger roter Luftballon befestigt ist. Er wird später an Gildas Kleidung zitiert werden. Doch so idyllisch bleibt die stumme Szene während des Vorspiels nicht: Der Klammergriff ihres Mannes wird der Mutter zunehmend unangenehm.

Sie entwindet sich der Liebe, die ihr die Luft abschnürt, stürmt in einer spontanen Flucht eine weiße Freitreppe hinauf, die im Dunkel des Bühnenhintergrunds endet: ein Todessprung à la Tosca?

Nein, nur ein Verschwinden aus Familie und Handlung – nicht aber aus dem Kopf Rigolettos: In diesem wird sie weiter herumspuken, den ganzen Abend lang. Vorerst aber bleibt er perplex erschüttert als alleinerziehender Vater übrig – und bekommt von seinem späteren Doppelgänger Sparafucile den klassischen Buckel umgeschnallt. Nun ist er, durch diese für ihn unfassbare Trennung, gezeichnet fürs Leben. Nicht ein ungnädiges, zufälliges Schicksal, sondern Rigoletto selbst war es also, der sein Familienglück zerstört und mit seinem besitzergreifenden Wesen den Grundstein auch für die späteren tragischen Ereignisse gelegt hat: Das ist die Grundidee von Ute M. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Walter Weidringer

Weitere Beiträge
Solo für Lichtklavier

Thom Luz ist ein Zauberer. Seit 2007 macht er Theater, meist phantastische Werke, in denen man sich wie in einem feinen Gespinst gerne verheddert, in Träumen hellwach. Einige Male war Luz schon zum Berliner Theatertreffen eingeladen, viele seiner Arbeiten, so man sie sehen durfte, lagern sich in der Erinnerung in einer Sedimentschicht des Glücks ab. Dann denkt man...

Das Leben selbst

In der ersten Pause dieses fünfstündigen Abends suchen einige Besucher das Weite. Das ist durchaus verständlich, vor allem, wenn man ganz unvorbereitet in die Aufführung geht: Eine Frau sitzt auf einem Leuchtturm und gebiert ein Kind. Und später noch eines. Davor betreten Heinzelmännchen und andere seltsame Gestalten die Bühne, singen und bewegen sich eigenwillig....

Zurück in die Zukunft

Im Jahr 1929 im Haus von Albert Einstein: Der Physiker führt einer erlesenen Gesellschaft, darunter Richard Strauss, Max Liebermann und Gerhart Hauptmann, seine neueste Erfindung vor: eine Zeitreisemaschine. Doch in welche Epoche soll es gehen? Welche Persönlichkeiten könnte man treffen? Möchte Strauss seiner Salome begegnen? Oder lieber weiter zurückwandern – bis...