STRENG UND OHNE DROGEN
Irgendetwas stimmt hier nicht: Wir sind in einer grauen, grindigen Halle. Auf (Roll-)Stühlen und in alten Fauteuils: zu Skulpturen erstarrte, mit Tüchern verhüllte Figuren. Aber seitab, da sitzt, wie ein irritierender Farbfleck, eine strickende Maid mit blondem, geflochtenem Haarkranz und in blauem Dirndl (Kostüme: Angelika Rieck). Es ist Herzeleide, die gar nicht hierhergehört und die später sehr real die «Stimme aus der Höhe» gibt (Vaida Raginskyte). Bei ihr ist ein Junge auf einem Schaukelpferd, der alsbald die Figuren enthüllen wird.
Es sind – bis auf Parsifal, der hier ja noch das Kind ist – alle, die an diesem «Bühnenweihfestspiel» mitwirken.
Endzeit: Das ist nicht zum ersten Mal der Raum, wo ein «Parsifal» verortet wird. Die ganze Spanne des Lebens: Das ist der Zielpunkt. Und so sind dann, im dritten Aufzug, Gurnemanz, der Lehrer, und Parsifal, der Sucher, sichtlich gealtert. Der eine geht am Stock, der andere kommt versehrt, kahlköpfig, schwer mit einem Ledermantel behangen, zurück an die Stätte seines ersten Fehltritts. Die beiden Alten belauern sich und erkennen einander doch bald. Für Gurnemanz kann wieder der Frühling beginnen, für Kundry darf das Dienen ein Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Karl Harb
Früher, da hieß Dubí Eichwald. Jetzt heißt Eichwald Dubí. Und das ist gut so. Heute wohnen etwa 8000 Menschen in dieser Kleinstadt in Nordböhmen, am «oberen linken Rand» von Tschechien. Die Wälder sind dicht, aus Lichtungen leuchten helle Hausfassaden hervor. Sonst sehen wir den Wald vor lauter (böhmischen) Bäumen kaum. Ein bayerischer Schriftsteller – Carl Oskar...
Erstaunlich genug, aber das Schrifttum über Wolfgang Rihm ist recht begrenzt, obwohl er unbestritten zu den bedeutendsten Tonsetzern unserer Gegenwart zählt (OW 04/2022). Die Journalistin Eleonore Büning will nun Abhilfe schaffen. Ihr Buch deutet mit Bezug auf den gleichnamigen Titel einer Werkreihe Rihms an, dass es in «Über die Linie» auch ums kompositorische...
Einer Sache kann man sich im oft wenig überraschenden Opernbetrieb sicher sein: Inszeniert David Marton, bekommt man etwas, das man in dieser Form vermutlich noch nicht gesehen hat. Auch wenn, wie im vorliegenden Fall, Corona eine gewisse Mitschuld trägt. Ursprünglich sollte Marton am Opernhaus Zürich «L’olimpiade» von Giovanni Battista Pergolesi inszenieren, eine...
