STRENG UND OHNE DROGEN
Irgendetwas stimmt hier nicht: Wir sind in einer grauen, grindigen Halle. Auf (Roll-)Stühlen und in alten Fauteuils: zu Skulpturen erstarrte, mit Tüchern verhüllte Figuren. Aber seitab, da sitzt, wie ein irritierender Farbfleck, eine strickende Maid mit blondem, geflochtenem Haarkranz und in blauem Dirndl (Kostüme: Angelika Rieck). Es ist Herzeleide, die gar nicht hierhergehört und die später sehr real die «Stimme aus der Höhe» gibt (Vaida Raginskyte). Bei ihr ist ein Junge auf einem Schaukelpferd, der alsbald die Figuren enthüllen wird.
Es sind – bis auf Parsifal, der hier ja noch das Kind ist – alle, die an diesem «Bühnenweihfestspiel» mitwirken.
Endzeit: Das ist nicht zum ersten Mal der Raum, wo ein «Parsifal» verortet wird. Die ganze Spanne des Lebens: Das ist der Zielpunkt. Und so sind dann, im dritten Aufzug, Gurnemanz, der Lehrer, und Parsifal, der Sucher, sichtlich gealtert. Der eine geht am Stock, der andere kommt versehrt, kahlköpfig, schwer mit einem Ledermantel behangen, zurück an die Stätte seines ersten Fehltritts. Die beiden Alten belauern sich und erkennen einander doch bald. Für Gurnemanz kann wieder der Frühling beginnen, für Kundry darf das Dienen ein Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Karl Harb
Ernst Kreneks extrem zwischen den Genres schwankende Oper «Jonny spielt auf» brachte ein Jahr nach ihrer Leipziger Uraufführung am Gärtnerplatztheater München 1928 den Skandal: Schlägereien, Polizei, Morddrohungen. Ausgelöst wurde der Krawall jedoch nicht durch das damals noch übliche und offenbar erwünschte Blackfacing der titelgebenden Hauptfigur. Dass ein...
Noch schwerer als den Auftrag für eine Uraufführung zu bekommen, ist es für einen Opernkomponisten heute, ein Theater zu finden, das eine auch medial meist wesentlich weniger beachtete Nachaufführung wagt. Selbst renommierte Tonsetzer wie Aribert Reimann, Wolfgang Rihm oder Manfred Trojahn tun sich damit schwer. Umso erfreulicher, dass Mannheim jetzt eine Oper...
Natürlich ist es verrückt, beklemmend und auch bizarr, wenn man jetzt in eine Musiktheateraufführung geht, in der die Welt in Trümmern liegt, die Oper kaputt ist und seltsam seelenlose Wesen die Szenerie beherrschen. Wäre Ole Hübners Oper «opera, opera, opera! revenants and revolutions» wie geplant vor zwei Jahren bei der Münchner Musiktheater-Biennale 2020...
