Der besondere Saft
Es wird viel Blut vergossen. Schon während des Vorspiels. Ein Video zeigt eine weiße Leinwand, in die eine Messerklinge langsam einen Schlitz schneidet, aus dem zäh der ganz besondere Saft tropft. Mit Blut besudelt ist auch Harald B. Thors weißes, an faschistische Machtarchitektur erinnerndes Einheitsbühnenbild, und üppig strömt es stets aus Amfortas’ Wunde. Im dritten Akt wirken die Blutspuren an den Wänden wie ein fein gearbeiteter Fries.
Die weiß gewandeten Gralsritter sehen zunächst aus wie Mitarbeiter der Spurensicherung, dann tragen sie die Käppchen von Burschenschaftlern, später erinnern sie an Freimaurer. Gustav von Aschenbach in Viscontis Thomas-Mann-Verfilmung stand offensichtlich Pate für Gurnemanz’ noblen Gehrock nebst Goldrandbrille und Spazierstock; Parsifal dagegen wird aus dem auf die Bühne gespiegelten Zuschauerraum als Premierenbesucher unfreiwillig herausgeholt, bevor Kostümbildnerin Tanja Hofmann ihn im Matrosenanzug vorführt. Auch Kundry muss häufig die Kleider wechseln: Militärmantel, giftgrünes 50er-Jahre-Kleid, schwarze Spitze und Cosimas wippender Reifrock (der im Klingsor-Akt auch riesenhaft von der Decke schwebt, bevor die Blumenmädchen drunter ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Regine Müller
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