Das Unausweichliche, es zieht uns an
Als die Wolken am Horizont aufzogen, war das ingegno sublime gewappnet. Mochte die Konkurrenz von der «Opera of the Nobilities» ihm seine Starsänger mit astronomischen Summen abspenstig machen – und war es offenkundig, dass der Opera seria in England keine rosige Zukunft bevorstand –, er, Georg Friedrich Händel, blieb gelassen. Schließlich hatte er schon während seiner italienischen Reise ein Vierteljahrhundert zuvor Oratorien komponiert; daran würde er nun anknüpfen.
Sprach’s und schenkte den bibelfesten Briten «Esther», «Athalia», «Deborah», «Israel in Egypt», «Saul» und dann, die Augen wurden trübe, sein opus summum, «Jephtha». Ein bizarres, religionsphilosophisches Stück, seinem Ursprung nach alttestamentarisch, parabelhaft und so empfindsam, so modern wie kaum ein Werk zuvor, mit einem Wort von Karl Marx: «ausgesprochen revolutionär».
Vor allem dann, wenn, wie in Amsterdam, Ivor Bolton, das famose Concerto Köln, der fantastische Chor der Nationale Opera sowie ein exquisites Solistenensemble sich der Sache annehmen. Die Ouvertüre, streng französisch, markiert das Initial, antizipiert gleichsam die Fallhöhe der Geschichte. Messerscharf die Punktierungen im ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Die Zukunft seiner Zunft hatte der Fotograf Hans Böhm klar vor Augen: Szenenfotografien aus dem Theater, schwarz-weiß, gut belichtet, gestochen scharf, während der Probe aus dem dunklen Zuschauerraum heraus geschossen. Noch vor Kurzem war das undenkbar, aber jetzt, im Herbst 1924, machte die Dresdner Firma Ernemann Reklame für eine neuartige Kamera: die...
Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...
Mit jedem Werk, das von Walter Braunfels (1882-1954) eingespielt wird, erweitert sich unsere Kenntnis vom Schaffen dieses Komponisten, der 1933 von den Nazis als Halbjude verfemt wurde und nach 1945 wegen seines Stilkonservativismus erneut ins musikpolitische Abseits geriet. Vereinzelte Aufführungen, zuletzt seines epischen Musiktheaters «Jeanne d’Arc» in Köln...
