Das Unausweichliche, es zieht uns an
Als die Wolken am Horizont aufzogen, war das ingegno sublime gewappnet. Mochte die Konkurrenz von der «Opera of the Nobilities» ihm seine Starsänger mit astronomischen Summen abspenstig machen – und war es offenkundig, dass der Opera seria in England keine rosige Zukunft bevorstand –, er, Georg Friedrich Händel, blieb gelassen. Schließlich hatte er schon während seiner italienischen Reise ein Vierteljahrhundert zuvor Oratorien komponiert; daran würde er nun anknüpfen.
Sprach’s und schenkte den bibelfesten Briten «Esther», «Athalia», «Deborah», «Israel in Egypt», «Saul» und dann, die Augen wurden trübe, sein opus summum, «Jephtha». Ein bizarres, religionsphilosophisches Stück, seinem Ursprung nach alttestamentarisch, parabelhaft und so empfindsam, so modern wie kaum ein Werk zuvor, mit einem Wort von Karl Marx: «ausgesprochen revolutionär».
Vor allem dann, wenn, wie in Amsterdam, Ivor Bolton, das famose Concerto Köln, der fantastische Chor der Nationale Opera sowie ein exquisites Solistenensemble sich der Sache annehmen. Die Ouvertüre, streng französisch, markiert das Initial, antizipiert gleichsam die Fallhöhe der Geschichte. Messerscharf die Punktierungen im ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Die Figur des heute vom Publikum wie von den Medien fetischisierten Dirigenten ist eine späte Erscheinung in der Aufführungsgeschichte der Musik. Zwei gleichzeitig erschienene Veröffentlichungen widmen sich jetzt dem komplexen Problemfeld – der aus einer Basler Ringvorlesung hervorgegangene, thematisch weit gespannte Band «DirigentenBilder. Musikalische Gesten...
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri...
Wanderer, kommst Du nach Trier und wendest Dich, nachdem Du die Portra Nigra passiert (und hoffentlich einen flüchtigen Gedanken an Karl Marx und den guten Ambrosius von Mailand verloren) hast, in Richtung Universität, wirst Du mit Weisheit belohnt. «In der Stadt Trier», so steht es auf dem Siegel der ehrwürdigen Bildungsstätte eingemeißelt, «führt Gott die...
