Das Unausweichliche, es zieht uns an
Als die Wolken am Horizont aufzogen, war das ingegno sublime gewappnet. Mochte die Konkurrenz von der «Opera of the Nobilities» ihm seine Starsänger mit astronomischen Summen abspenstig machen – und war es offenkundig, dass der Opera seria in England keine rosige Zukunft bevorstand –, er, Georg Friedrich Händel, blieb gelassen. Schließlich hatte er schon während seiner italienischen Reise ein Vierteljahrhundert zuvor Oratorien komponiert; daran würde er nun anknüpfen.
Sprach’s und schenkte den bibelfesten Briten «Esther», «Athalia», «Deborah», «Israel in Egypt», «Saul» und dann, die Augen wurden trübe, sein opus summum, «Jephtha». Ein bizarres, religionsphilosophisches Stück, seinem Ursprung nach alttestamentarisch, parabelhaft und so empfindsam, so modern wie kaum ein Werk zuvor, mit einem Wort von Karl Marx: «ausgesprochen revolutionär».
Vor allem dann, wenn, wie in Amsterdam, Ivor Bolton, das famose Concerto Köln, der fantastische Chor der Nationale Opera sowie ein exquisites Solistenensemble sich der Sache annehmen. Die Ouvertüre, streng französisch, markiert das Initial, antizipiert gleichsam die Fallhöhe der Geschichte. Messerscharf die Punktierungen im ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Die eine Farbe. Blau. Schon im Alten Testament findet sie Erwähnung (Exodus 28, 5-35) und ebenso in Homers «Ilias». Blau, das steht, je nach philosophisch-anthropologischem Kontext, für vieles: für zwiespältige Tiefe, für Jungfräulichkeit, für Bewusstsein und Weisheit (dharma-dhatu), für sanfte, ätherische Stimmung, für Ausschweifung, die Sehnsucht nach dem...
Es ist misslich, wenn ein Stück als Spielmaterial für die Einfälle des Regisseurs gebraucht wird. Während der länger als vier Stunden dauernden Aufführung von Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots» in der Deutschen Oper Berlin wurde es zunehmend mühsamer, hinter den nach dem Prinzip von Show & Entertainment arrangierten Einfällen des britischen Regisseurs David...
Die Zukunft seiner Zunft hatte der Fotograf Hans Böhm klar vor Augen: Szenenfotografien aus dem Theater, schwarz-weiß, gut belichtet, gestochen scharf, während der Probe aus dem dunklen Zuschauerraum heraus geschossen. Noch vor Kurzem war das undenkbar, aber jetzt, im Herbst 1924, machte die Dresdner Firma Ernemann Reklame für eine neuartige Kamera: die...
