Das Rätsel Frau

Eva-Maria Höckmayr zeigt am Staatstheater Darmstadt eine hochkonzentrierte Lesart von Bergs «Lulu», Daniel Cohen und dem Orchester des Hauses gelingen drei musikalische Sternstunden

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Von allen angestarrten Frauen ist Lulu vermutlich die (um einen in dieser Art modisch geläufigen, wenngleich sprachlich unkorrekten Superlativ zu verwenden) «angestarrteste». Man starrt ja selbsthin. Die Schauspielerin Kathleen Morgeneyer war in einer Wedekind-Sprechtheater-Aufführung in Frankfurt am Main vor 13 Jahren über eine nicht unbeträchtliche Strecke des Abends nackt.

Obwohl ihr das Kunststück gelang, ironischerweise trotzdem oder sogar gerade deshalb eine restlos «unfatale» Lulu zu sein, handelte es sich natürlich dennoch um eine Bloßstellung sondergleichen. Lulu trägt viele Namen, die sie sich nicht selbst aussucht, sie hat einen Körper, den alle Welt begehrt, sie wird da nicht heil rauskommen. Dennoch müssen gängige Begriffe – Opfer, Täterin, Femme fatale, Kindfrau – idealerweise an ihr zerschellen. 

Spätestens wenn Mädchen anfangen, Klassiker für Erwachsene zu lesen, gewöhnen sie sich daran, Frauen aus männlicher Perspektive kennenzulernen. Das erweitert den Horizont, solange man nicht vergisst, wer da blickt und spricht. Im männerdominierten Musiktheater potenziert sich das noch einmal: ein Allgemeinplatz, der aber wieder Wucht bekommt, wenn es um Lulu geht. Von ...

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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 18
von Judith von Sternburg

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