Das Leben – eine Oper
Ponnelle selig mag unerreicht sein. Unter den geschickten Vermarktern eigener Ideen nimmt Robert Carsen heute einen oberen Rang ein. Seine «Tosca»-Inszenierung, 1996 ein Juwel innerhalb seines Puccini-Zyklus an der Vlaamse Opera in Antwerpen und anno 2000 auch in Hamburg zu sehen, schmückte im April nun den Zürcher Spielplan. Und der Wahrheit die Ehre: Ein Schmuckstück ist sie tatsächlich.
«Come la Tosca in teatro»: Das Programmbuch verriet gleich vorneweg, wo’s lang ging.
Es war eine «Tosca», die nicht in der Kirche, im Palazzo Farnese oder auf der Engelsburg stattfindet, sondern von A bis Z im Theater, das der Ausstatter Anthony Ward höchstens im ersten Akt und zumal mit dem riesigen Marienbild beim «Tedeum» mit einem Gotteshaus kreuzte.
Wir schauen einer Sängerin zu, die eine Sängerin spielt, die die Tosca gibt. Die Ur-Gleichung des Abends lautet: Emily Magee = Maria Callas = Floria Tosca. Der Regisseur treibt ein virtuoses Theater auf dem Theater. Er jongliert mit zitierten Gesten und Haltungen. Das Leben – eine Oper: ein Dasein unterm Scheinwerfer, das Drama einer Künstlerin, die ihren Beruf mit dem Alltag gleichsetzt, sich im Grunde permanent in Anführungszeichen äußert – bis ...
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Glucks «Orfeo ed Euridice» ist eine, Haydns «Acide» ist auch eine – eine «azione teatrale» oder auch «festa». So nannte man Stücke, die zu bestimmten Festanlässen komponiert wurden. Während die Gluck-Oper Triumphe feierte, verschwand Haydns Werk rasch aus dem öffentlichen Bewusstsein. Entstanden war «Acide» aus Anlass einer Hochzeit: Als der älteste Sohn des...
Wenn es um Visionen geht, um die Kraft der Vorstellung von etwas, das nicht ist, aber sein könnte und vielleicht auch sein müsste, dann wird es oft schwierig. Träumen ist etwas anderes. Planen auch. Das Dazwischen sagt viel über innere Kraft, über geistige Größe, über Kommunikationsfähigkeit, den Blick in die Zukunft und einen Realitätsbezug, der vom eigenen Ich...
Mit Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw» tun sich gerade deutsche Theater schwer: Statt die Geschichte in dem absichtsvollen Schwebezustand zwischen Wahn und Realität zu belassen, der schon die novellistische Vorlage von Henry James auszeichnet, nehmen die meisten Inszenierungen des 1954 uraufgeführten Werks eindeutige Schuldzuweisungen vor: Entweder sind...
