Das Gewicht der Welt
Nun, da die Welt vermessen ist – und sei es nur durch die Literatur in Gestalt von Daniel Kehlmanns virtuosem Roman über Gauß und Humboldt – nun kann man daran gehen, das Unendliche zu vermessen. So jedenfalls muss das der Komponist Ingomar Grünauer im Sinn gehabt haben, als er anhub, eine Oper über den Mathematiker Georg Cantor zu verfassen. Wer, bitte schön, mögen viele fragen, war das? Ein Wissenschaftler, wie gesagt, einer breiten Öffentlichkeit wohl ebenso wenig bekannt wie das Genie Gauß.
Geboren wurde Cantor 1845 in Sankt Petersburg als Sohn eines Kaufmanns, dem er nach der Matura schreibt, sein ganzes Ich lebe in seinem Berufe: «Was der Mensch will und kann, das führt er durch.» Und so geschieht es. Nach Studien bei den zu ihrer Zeit bedeutenden Mathematikern Karl Weierstraß, Ernst Eduard Kummer und Leopold Kronecker promoviert Cantor an der Universität Berlin. Kaum hat er dies getan, siedelt er nach Halle über und beschäftigt sich dort, im universitären Amte des Extraordinarius für Mathematik, mit unendlichen Zahlenmengen, mit der Nichtabzählbarkeit des Kontinuums, mit endlichen linearen Punktmannigfaltigkeiten und schließlich mit der «transfiniten Mengenlehre». 1918 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Den mehr als vierzig komischen Opern Domenico Cimarosas stehen sechzehn Opere serie entgegen. Davon war «Gli Orazi e i Curazi» seine viertletzte. Geschrieben für Venedig anno 1796 wurde sie zur Erfolgsoper – vornehmlich auf italienischen Bühnen – und als solche kontinuierlich verunstaltet. Bei jeder Neuproduktion wurde die Partitur den jeweiligen Erfordernissen...
Eine Verdi-Dublette und alles andere als ein Unglück. Zwei aufeinander folgende Premierentage, zwei unterschiedliche Werkphysiognomien, zwei Annäherungen, die nichts miteinander gemein haben: «Don Carlo», die vieraktige Fassung von 1884 auf Italienisch in Freiburg – und «Don Carlos», eine auf der Pariser Urversion fußende fünfaktige auf Französisch in nächster...
Die Rolle ist der Schrecken aller Besetzungsbüros: Wenn ein Tannhäuser her muss, greifen selbst große Häuser zu Verlegenheitslösungen. Dass ausgerechnet das Theater Magdeburg einen Tenor aufbieten kann, der die schwierigste aller Wagner-Rollen tatsächlich singen kann, grenzt da schon fast an eine Sensation. Und doch ist der Amerikaner Lawrence Bakst ein echter...
