Das entfesselte Barocktheater
Es gibt programmatische Konzepte, deren Formeln man als Adressatin für Pressemitteilungen seit Langem schon auswendig aufsagen kann. Die (Kultur-)Politik scheint immer gleich formulierte Absichtserklärungen zu lieben, sonst würden sie nicht allerorten wiederholt. Zu den beliebtesten Floskeln dieser angewandten Lyrik zählt es, sich zu öffnen für ein jüngeres und diverseres Publikum. Oder ein Theater oder Festival in die Stadt hineinzutragen. Alle wollen das. Aber wenn man ehrlich ist, gelingt es den wenigsten.
Das mag zum einen daran liegen, dass die hehren Absichten beim erwünschten neuen Publikum häufig gar nicht erst ankommen. Zum anderen riskiert man, mit Verstellung und Anbiederei eben jenes neue Publikum zu verärgern oder das alte zu vergraulen. Glücklich ist, wer mit Neuem nichts retten muss, sondern bereits Erfolgreiches steigern darf. In dieser Situation hat Florian Amort im vergangenen Jahr kurzfristig von dem überraschend verstorbenen Bernd Feuchtner die Leitung der Händel-Festspiele Halle übernehmen müssen, inklusive dessen fertig konzipierten Programms. Das größte Festival Sachsen-Anhalts ist eine feste Konstante im Kalendarium der internationalen Gemeinde der ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Regine Müller
Moskau hat als Opernmetropole viel von seinem besonderen Flair eingebüßt. An den großen Häusern pflegt man die Tradition, die kleineren Bühnen schrecken davor zurück, politisch brisante Themen anzufassen – aus offensichtlicher Angst vor einem Staat, der seinen eigenen Angriffskrieg glorifiziert. Das einzige Juwel ist die 1990 vom Regisseur Dmitri Bertman ins Leben...
Technologien, Algorithmen, virtuelle Realitäten und digitale Ablenkungen beherrschen jetzt schon unser Leben. Als Menschen kommen wir der Zukunft kaum noch hinterher. Die Uraufführung «Passion of the Common Man» geht noch einen Schritt weiter – in eine Welt, die technologisch so weit fortgeschritten ist, dass alles Natürliche verblasst. Zuneigung kann simuliert...
Strawinskys einzige abendfüllende Oper mit dem furchterregenden Untertitel «Werdegang eines Wüstlings» basiert auf der gleichnamigen Bilderserie von William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert. Deren unerhörter Erfolg mag gerade auch durch die Abwesenheit von höheren Mächten begründet sein. Zwei maßvoll fromme englische Librettisten hatten dann anscheinend riesiges...
