Commercial
Schon mit dem ersten Satz seines Kommentars zur Duett-Platte Rolando Villazóns und Ildar Abdrazakovs gelingt dem Autor die treffende Kritik: «Es ist nichts weniger als ein Gipfeltreffen dreier Operngrößen.
» Tatsächlich ist es nicht weniger als ein Commercial geworden: vielleicht die Erfüllung vertraglicher Vereinbarungen mit einem vom Gipfel abgestürzten Tenor; oder mit einem den Gipfel ersteigenden Bassisten; nicht zuletzt mit einem auf dem Gipfel angelangten Dirigenten, den das zum Werbeprospekt korrumpierte Beiheft so belobhudelt: «absoluter Superstar», der bald als Chefdirigent an der «legendären Metropolitan Opera, dem Sängertempel schlechthin», tätig sein wird. Yannick Nézet-Séguin passt sich der lingua blablativa an, wenn er sich mit dem Satz zitieren lässt, es habe im Duett aus Bizets «Les pêcheurs de perles» einen Moment gegeben, in dem «beide Stimmen auf einmal ganz golden waren». Goldglanz mag man in den Aufnahmen mit Enrico Caruso und Mario Ancona, Edmond Clément und Marcel Journet oder Alfredo Kraus und Sesto Bruscantini erleben, nicht aber beim Zusammenklang zwischen der in der Höhe überhell-engen Stimme des Tenors und der von der Textur her rauen Stimme des russischen Basses, der sich hier auf falsches Terrain begibt. ...
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Nun ist sie also wieder herausgeputzt, Berlins Lindenoper. In schönstem Pseudo-Rokoko. Zartrosa schimmert die Fassade, in drei verschiedenen Farben die Wandbespannung der Foyers um Parkett und Ränge. Von Glanz und Gloria der Kulturnation sollen sie wieder künden, die korinthischen Säulen des Portikus am historischen Hauptstadtboulevard, die mächtigen Pilaster im...
Das sitzt. Harsch klingen die ersten Akkorde, das enggeführte Melos. Kein weites Ausschwingen, sondern ein strenger, konturenscharfer Verlauf. Als sei Nikolaus Harnoncourt noch einmal unter uns. Am Pult des hochaufmerksamen Sinfonieorchesters Basel steht jedoch Opernchef Erik Nielsen. Mozarts frühe Seria «Lucio Silla» erscheint nicht als das sprühende...
Opernhäuser zeigen Märchen und Legenden, aber sie fabrizieren sie auch. Nur selten gelingt es, dogmatisch verfestigte, eindimensionale Deutungsmuster aufzulösen. Misha Aster hat es jetzt geschafft. Nach zehnjähriger Wühlarbeit in Archiven legt er einen Band vor, der nicht nur akribisch recherchiert ist, sondern auch unterhaltsam, ja beinahe spannend – und das Gros...
