Verdi: Aida
In Theorie und Bühnenbild wirkt es schlüssig: die 1871 in Kairo uraufgeführte «Aida» ebendort anzusiedeln – nämlich in der luxuriösen Lobby eines britischen Kolonialhotels während des Krieges zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876) und der Besetzung Ägyptens (1882) (Bühne: Dieter Richter). Doch im Laufe des Abends erweist sich, dass dieses Konzept nur an der Oberfläche funktioniert, sich der präzise Tonfall Verdis für Tempeltänze und mächtige Priester permanent reibt an Offiziersuniformen.
Hinzu kommt, dass Intendant Ansgar Haag in seiner letzten Inszenierung die Sänger nicht wirklich führt und den Zusammenprall der Kulturen seltsam beleuchtet: Da tragen die (Bauch-) Tänzerinnen zwar prächtige orientalische Kostüme, bewegen sich freilich in konventionell westlichen Schrittchen – und die Männer treten halbnackt mit schwarzen Baströckchen auf! Historisch falscher könnten diese Einfälle, was die britische und arabische Kultur der Kolonialzeit betrifft, kaum sein. Und ein mit neckischen Alligator-, Elefanten- und Giraffen-Masken ironisierter Triumphmarsch bleibt weit entfernt von jeder kritischen Deutung.
Schlimmer noch, dass sich fast alle Sänger weit unter ihrem Niveau ...
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