Brüchige Idylle
Es sind pubertierende Jugendliche – sechs Solisten sowie die von acht Mitgliedern des Chors Barock vokal Mainz dargestellten Nymphen und Hirten –, die Tatjana Gürbaca in ihrer bestürzend simplen, aber umso eindringlicheren Inszenierung von Johann Adolph Hasses Pastoralspiel «Leucippo» auf die Bühne des Schwetzinger Rokokotheaters zitiert. Es geht darin um die Liebe des Hirten Leucippo zur Nymphe Dafne, die als Priesterin der Diana zu ewiger Keuschheit verpflichtet ist.
Der Strafvollzug für dieses Vergehen fällt dem Oberpriester Narete zu, in Wirklichkeit der leibliche Vater Leucippos, der als Kind von dem unter dem Namen Delio auftretenden Gott Apollo geraubt wurde, was allerdings erst am Ende enthüllt wird. Henrik Ahrs Szene zeigt das idyllische Arkadien als kreisrunden Einheitsraum in dezent braunen Holztönen, der nach vorne abfällt und an den Wänden von einer Sitzbank umlaufen wird. Der einzige Zugang – eine schmale, hohe Türe – ist nur von außen zu öffnen, was die hermetische Atmosphäre dieses Laboratoriums der Liebe noch verstärkt. Farblich diskret zurückhaltend auch die meist pastellfarbenen Kostüme (Barbara Drosihn) – nur die beiden zentralen Gegenspieler, Dafne im roten ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Uwe Schweikert
Diese Salzburger Werke-Ambition klingt nach ihm. «Jonny spielt auf», «Pilger von Mekka», «Eugen Onegin», «La clemenza di Tito»: Das hätte einst auch Gerard Mortier zu einer Sommersaison zusammenschnüren können. Doch verantwortlich dafür sind andere. Jene, die sich gegen die übermächtigen und ständigen (ob im Januar, zu Ostern, Pfingsten oder im August)...
Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die...
Bleich sieht er aus, wenn er so in die Leere starrt. Leise tönt seine Stimme. Mehr singt es aus ihm, als dass er die Initiative ergreifen würde. A-Dur ist plötzlich eine fahle, weiße Tonart und «Là ci darem la mano» alles andere als eine Verführungsnummer. Don Giovanni holt seine Gedanken aus weiter Ferne. Mit der kleinen, drallen Zerlina jedenfalls, deren Augen...
