Britten: The Turn of the Screw

Dessau, Britten: The Turn of the Screw

Opernwelt - Logo

Mit Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw» tun sich gerade deutsche Theater schwer: Statt die Geschichte in dem absichtsvollen Schwebezustand zwischen Wahn und Realität zu belassen, der schon die novellistische Vorlage von Henry James auszeichnet, nehmen die meisten Inszenierungen des 1954 uraufgeführten Werks eindeutige Schuldzuweisungen vor: Entweder sind die beiden Zöglinge Miles und Flora durch das ehemalige Hauspersonal ihres Vormunds verdorben worden, oder es ist die junge Gouvernante, die eine Schraube locker hat.

Auch in Dessau wird schnell klar, wem Regiedebütantin Jana Eimer den schwarzen Peter zuschiebt: Sie erzählt das Stück mit einfachen Mitteln und klaren Symbolen als Protokoll der fortschreitenden Schizophrenie einer jungen Frau, deren unerfüllte Sexualität zusehends in Verfolgungswahn kippt. Das hat starke Momente: Etwa wenn die Gouvernante ihr hochgeschlossenes Flanellkleid aufknöpft und in zaghaftem Verlangen nach Nähe ihren eigenen Körper streichelt, oder wenn sie vor der plumpen körperlichen Vertrautheit der Haushälterin Mrs. Grose zurückschreckt. Aber leider verliert die Geschichte viel von ihrem Geheimnis, zumal die Geister der beiden verstorbenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Versunkene Paradiese, freche Pointenparade

Selten wurde so viel Aufhebens um ein unartiges Kind gemacht: Für ihre konzertante Aufführung von Ravels dreiviertelstündigem Meisterwerk «L’Enfant et les Sortilèges» versammelten die Berliner Philharmoniker im November 2008 eine Sängerriege, mit der man eine ganze Serie von Galaabenden hätte bestreiten können. Auf dem Podium scharten sich Stars wie José Van Dam,...

Über die Schulter geblickt

Seine Miene konnte mürrisch sein, sein Ausdruck melancholisch. Ein düsterer Charakter? Im Gegenteil. «Heiter, umgänglich, vergnügt und von Natur aus buffonesk». So beschreibt Giuseppe Carpani Joseph Haydn. Carpani, Zeitgenosse des Komponisten, Literat und Musikinfizierter, hat mit Haydn vierhändig gespielt und nach dessen Tod einen Band mit fiktiven Briefen...

Zum Ausklang Hojotoho

Siegmund und Sieglinde finden sich in einem Vorort New Yorks, Wotan ist Ober-Börsianer, die Götter geben die Statthalter einer zerfallenden Luxusgesellschaft, die Walküren flanieren auf dem Catwalk zu Bildern aus Francis Ford Coppolas Kinoklassiker «Apocalypse Now». Zur «Walküre» im Theater der Stadt Koblenz wird viel Bekanntes, aus alten Produktionen Stammendes...