Schöne falsche Welt
Riesige Geschenkschachteln in Rosarot und Himmelblau stehen überall herum. Sie bilden das szenische Fundament der Chemnitzer Neuproduktion von Alexander von Zemlinskys Einakter «Der Zwerg». In diese nicht nur räumlich, sondern auch ideell begrenzte, scheinbar makellose Welt passt einer wie er einfach nicht hinein: Kleinwüchsig und missgestaltet ist dieser Zwerg, ein Außenseiter in wild gemustertem Anzug, mit ungestüm aufragendem Rotschopf.
Sein Anderssein erkennt er nicht – und kann deshalb auch das Spiel nicht durchschauen, das die moralisch skrupellose Hofgesellschaft um Prinzessin Clara mit ihm treibt. In sie verliebt er sich und glaubt sich auch von ihr geliebt. Am Ende – wenn er vergebens um Liebe fleht –, wird die Täuschung offenbar, und der Gedemütigte geht daran zu Grunde.
Alexander von Zemlinsky – DER ZWERG from Theater-TV on Vimeo.
Wann gilt ein Mensch als schön? Was als schön gilt, wird im Kern über historisch wandelbare, gesellschaftliche Normen definiert – häufig das, was mehrheitsfähig ist. Alexander von Zemlinsky verewigte in diesem Werk eigene seelische Verwundungen, die ihm als junger Kompositionslehrer von Alma Schindler zugefügt wurden. Er war damals auf beinah ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Bettina Volksdorf
Glitzerpianisten, Violinwunder, Vokalartisten hin oder her – im Klassikbetrieb steht der Dirigent an der Hierarchiespitze: qua Aura, Bandbreite und sozialer Sonderrolle. Er ist der solitäre Lenker, ihm müssen Musiker folgen, egal, ob er kühl-autoritär auftritt wie Lorin Maazel oder sich demokratisch gesinnt gibt wie Claudio Abbado. Seine gestisch zwar sichtbare,...
Anhänger des Steampunk sind Romantiker. Sie verehren die Technikvisionen des 19. Jahrhunderts, kleiden sich verspielt viktorianisch und lieben die Seelenabgründe düsterer Schauergeschichten. Die Band Coppelius hat nicht nur ihren Namen von E. T. A. Hoffmann entliehen, die Musiker spielen Klarinetten, Cello, Kontrabass – und natürlich Schlagzeug, der knallharte Beat...
Zunehmende Lebenserfahrung kann die Menschen ja in zwei Richtungen lenken: Die einen werden verbissen, die anderen altersmilde. Jürgen Flimm gehört zur zweiten Kategorie. Bewundernswert, mit welcher Gelassenheit er sein Amt als Berliner Staatsopernintendant ausfüllt, als Nummer 2 hinter seinem allmächtigen Musikchef Daniel Barenboim. Was seine Nachfolge betrifft,...
