Blindes Schicksal
Deutscher Wald. Finstere Schlucht. Darin ein Jägersmann, der seine Braut bei einem Wettschießen gewinnen muss und sich mangels Treffsicherheit auf einen Deal mit dem Teufel Samiel einlässt, um einen Freischuss zu ergattern. Sünde, Sühne, Todesangst. Ein heilig-frommer Eremit, der das Böse bannt und die jungfräuliche Verlobte rettet. Dazu lange Sprechpassagen in schönster Singspieltradition. Webers «Freischütz» ist schon harter Tobak für ein Publikum, dem die deutsche Romantik fremd ist.
Nicht von ungefähr steht das Stück außerhalb der deutschsprachigen Länder selten auf dem Spielplan. Ist es jenseits von Rhein und Oder überhaupt noch vermittelbar?
Aber ja, meint Kasper Holten – und bekräftigt das mit einer packenden Neuinszenierung des «Freischütz» am Königlichen Opernhaus in Kopenhagen. Natürlich hatte auch Holten so seine Zweifel, ob man die von Johann Friedrich Kind getextete Story einem dänischen oder – in der kommenden Saison an Holtens Stammhaus Covent Garden – einem englischen Publikum zumuten kann. Also legte er Hand an.
Zum einen hat er die gesprochenen Dialoge auf ein handlungsrelevantes Minimum zusammengestrichen. Das Ganze dauert jetzt gerade mal zwei Stunden. Zum ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Andreas Bücker
Am Ende fallen die vermeintlich Geschädigten bei Achim Freyer an der Wiener Volksoper über Don Giovanni her, zerreißen ihn, statt ihn zur Hölle fahren zu lassen, und vertilgen ihn genüsslich. «Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tut, behaupten sie im Besitz selbstgerechter Moral. Der Verführer und Wüstling ist perdu, das Leben kann seinen normalen...
Hervé, mit bürgerlichem Namen Florimond Ronger, ist allenfalls Spezialisten der französischen Operette bekannt. Obwohl er schon 1847, sechs Jahre vor Offenbach, mit neuen Konzepten des komischen Musiktheaters experimentierte, hatten seine «mehrfach überdrehten» (Volker Klotz), bisweilen auch vulgären Grotesken auf Dauer keine Chance gegen die vielleicht weniger...
Tomaso Albinoni? Kennt man natürlich. Eine Nummer des «dilettante Veneto» gehört in jede ordentliche Barock-Compilation (und sei’s das berühmte Adagio in g-Moll, das Albinoni-Biograf Remo Giazotto in den 1950er-Jahren nachkomponierte), an Aufnahmen seiner concerti a cinque herrscht kein Mangel.
Aber die Vokalmusik? Da dünnt die Diskografie dramatisch aus. Ein paar...
