Blinde Flecken

Křenek: Jonny spielt auf
Prag | Nationaltheater

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Gletscher? War da mal was? Richtig, das waren diese majestätischen Eisgebilde, die Berglandschaften spektakulären Glanz verliehen, bevor die Menschheit begann, immer mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre zu feuern. In den 1920er-Jahren waren sie noch weitgehend intakt, ein vertrauter Anblick, so dass Ernst Křenek für seine Oper «Jonny spielt auf» einen Gletscher als Schauplatz wählte. Eine der Hauptfiguren, der Komponist Max, zieht sich auf der Suche nach Inspiration ins Eis zurück.

Am Prager Nationaltheater zeigt uns Regisseur David Drábek nun, dass dieser magische Blick auf die Natur nicht mehr existiert, dass ihn längst die Logik kommerzieller Verwertung verdrängt hat. Also sehen wir auf der Bühne topografische Karten, wie man sie aus Skigebieten kennt, mit Liften und Pisten, die die weißen Panoramen wie Tumore überziehen. Um einen Rest Naturmystik im ersten Bild zu bewahren, lässt Drábek Zwerge und Tiere tanzen, während Max sich in die Sängerin Anita verliebt. Sie ist freilich keine Seelenverwandte des Romantikers, sondern Protagonistin einer die Natur als Ressource, sprich: als Erholungsraum nutzenden Moderne: Sie hat sich nur vom nahegelegenen Hotel ins Eis verlaufen.

In den ...

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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt

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