Blaues Wunder in der Arbeiterstadt
Alles unter einem Dach: Bühne, Probenräume, Werkstätten, Verwaltung, Kantine. Ein Theaterbau der kurzen Wege, nicht nur zwischen den Gewerken, sondern auch in der Kommunikation. Manche Frage ließe sich schon unterwegs auf dem Flur lösen, berichtet Janina Werner, die Referentin des Intendanten, auf unserem Rundgang durch das Theater Hof. Es ist auch ein zuschauerfreundliches Haus, in dessen vorgebautem Glas-Foyer die Wein- und Sektgläser mit Lichtreflexen zirkulieren.
Dabei ist der moderne Kunstpalast mit 567 Sitzplätzen in leuchtendem Blau gar nicht leicht zu erreichen, zumindest nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch die Ausschilderung könnte für Ortsunkundige und notorische Fußgänger etwas übersichtlicher sein. Keiner scheint mit ihnen zu rechnen, zumal die auswärtigen Gäste im «nordostoberfränkischen Städtebundtheater» per Bus anreisen (zum Beispiel aus Bayreuth).
Das Theater residiert gemeinsam mit der gegenüberliegenden Freiheitshalle auf einem der sieben Hügel, die Hof weit größer erscheinen lassen, als es mit seinen etwa 47 000 Einwohnern tatsächlich ist. Der Taxifahrer erinnert stolz an die andere Stadt auf sieben Hügeln – Rom (und blendet den viel näher gelegenen ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Opernwelt auf Landpartie, Seite 64
von Lotte Thaler
Zwei Königinnen. Durch beider Adern fließt, wiewohl in unterschiedlicher Konsistenz, kobaltblaues Tudor-Blut, mithin der uneingeschränkte Wille zur Macht. Viel mehr als diese Neigung aber verbindet die Frauen nicht. Weder der Glaube (sei es der an Gott, den Allmächtigen, ans Leben selbst oder an die Liebe) noch die Weltanschauung. Maria Stuart, Schottlands...
Darüber, was Musik sein könnte, gingen die Meinungen schon immer auseinander. Mag sie ihrem Ursprung nach, als «mousiké», Musenkunst gewesen sein, differieren die Definitionen je nach Zeit, Perspektive und Autor. Für Schönberg bedeutete Musik eine Form mystischer Konsonanz mit dem Weltall, für den Experimentalpsychologen Steven Pinker ist sie kaum mehr als...
Es gehört zum Wesen von Mieczysław Weinbergs Oper «Die Passagierin», dass sie eine Zumutung ist für die Routine des Opernbetriebs. Wer das Stück anschaut, wird sich fragen müssen, ob er einen Satz wie «Du darfst nicht denken, dass ich beteiligt war am Massenmord» oder auch nur das Wort «Auschwitz» in klassischem, also einer traditionellen Ästhetik verpflichtetem...
