Blaubart der Meere
Die fast schon verbindliche Richtung der «Holländer»-Deutung geht im Wesentlichen auf Joachim Herz’ kühne Berliner Inszenierung zurück, die von Harry Kupfer 1978 in Bayreuth aufgegriffen wurde. In die Phalanx der diversen Erben und Nutznießer reihte sich nun in Basel auch der Video-Clipper und «Nordwand»-Filmer Philipp Stölzl ein – mit nicht unbeträchtlichem Erfolg.
Aufs Ouvertürenmotiv genau schleicht sich die junge Senta in die – erstaunlich umfangreiche – Bibliothek ihres Vaters Daland.
Den Kerzenleuchter in der Hand, greift sie sich zielsicher einen Folianten und verliert sich in der Sage vom «Fliegenden Holländer»: ein Fall von Realitätsflucht, hinein ins erträumte Idealdasein einer schwärmerischen Kinderseele. In der Bücherwand ein gewaltiger Bilderrahmen: Gischt darin, Felsbuckel – ein Seestück. Dahinein bohrt sich in Sentas Fantasie der Holländer-Segler, schrundig, verwittert, wie aus gehärtetem Schlamm gefügt (Bühne: Stölzl und Conrad Reinhardt). Dem Kind verwischen sich die Ebenen. Die Gestalten der Meeressphäre dringen in den schummrig beleuchteten Salon ein. Der anfangs kaum zu ortende Holländer – eine (Traum-) Abspaltung von Sentas Vater Daland?
Vom zweiten Akt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Alexander Borodins «Fürst Igor» ist ein Mythos der russischen Operngeschichte: ein nationales Epos, vom Meister unvollendet hinterlassen. Dieser Mythos vom titanischen Ringen beförderte das von Rimsky-Korsakow und Glasunow angeblich vollendete, in Wahrheit aber zum größeren Teil völlig neu komponierte Werk, ins Opernrepertoire – kein handelsüblicher Opernfüh-rer,...
Bis vor wenigen Jahren war sie noch auf der Bühne aktiv, und wer weiß, ob sie, die wir anlässlich ihres 75. Geburtstags als «komödiantisches Urgestein» gewürdigt haben, nicht noch einmal dorthin zurückkehrt. Mit dem Theater ist sie aufgewachsen, im Theater hat sie mehr als ein halbes Jahrhundert gewirkt. Dabei hat die Stimme in 57 Bühnenjahren diverse...
An drei Orten gleichzeitig wurde «Der Silbersee» am 18. Februar 1933 uraufgeführt: in Magdeburg, Erfurt und Leipzig, dort unter Tumulten – keine drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers und vier Wochen, bevor Weill Hals über Kopf vor der Gestapo nach Frankreich fliehen musste. Regie führte in Leipzig Detlef Sierck, der später als Douglas Sirk in Hollywood...
