Bilder und Zeiten
Das Streichersextett spielt die ersten Akkorde, da zerreißt ein Heulton den kammermusikalischen Wohlklang. Fliegeralarm, wie üblich. Die Musiker tragen ihre Geigen und Celli gelassen Richtung Bunker, der Hausdiener klappt routiniert den Deckel des Spinetts zu und wartet die Bomben ab. Wir befinden uns im Jahr 1942, zur Zeit der Uraufführung von Richard Strauss’ «Capriccio». Wir befinden uns zugleich in einem Salon im vorrevolutionären Frankreich. Und wir befinden uns im Meininger Theater – wo Anthony Pilavachi «Capriccio» hintersinnig und zeitenüberspannend inszeniert.
La Roche, Theaterdirektor und Verfechter der tradierten Künste, wandelt zwischen dem kriegsverheerten Deutschland Strauss’ und dem Salon der Gräfin Madeleine, die keine größere Sorge kennt als eine Musenfrage: Welcher Kunst ist der Vorzug zu geben, der Poesie oder der Musik? Und welchem Verehrer: dem Dichter Olivier oder dem Komponisten Flamand?
Das «Konversationsstück für Musik» lebt von seinen raffiniert verschachtelten Erzähl- und Reflexionsebenen. Schauspiel und Dichtung contra Musik, Tradition contra Reform, hehre Kunst contra Materialismus, dazu mehrere ebenso handfeste wie symbolbefrachtete Liebes- und ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Frauke Adrians
Alessandro Stradellas «La Doriclea» hat eine recht bewegte Geschichte hinter sich. Der Dreiakter wurde erst 1938 von dem Rieter Organisten Mario Tiberti entdeckt – und galt nach dem Zweiten Weltkrieg schon wieder als verschollen. Trotzdem gab es 2004 im Rahmen eines Festivals bei Siena ein konzertantes Revival auf Grundlage einer Transkription, die Tiberti einst...
Damals, 1836 in Sankt Petersburg, gab es nach dem Polenakt keinen Applaus. Trotz der prächtigen Tänze und Gesänge, mit denen Michail Glinka ihn in seiner neuen Oper servierte. Die Polen hatten schließlich erst sechs Jahre zuvor versucht, den russischen Zaren loszuwerden, der ihnen vom Wiener Kongress als König vorgesetzt worden war. Jetzt saß Nikolaus I. im...
Jeder macht sich sein Bild von Wagner. Aber welche Bilder haben wir eigentlich von ihm? Gunther Braam, im Hauptberuf Gymnasiallehrer in München, im Nebenberuf ein leidenschaftlicher Berlioz-Forscher, Ikonografie-Kenner und Herausgeber von Noteneditionen, hat sämtliche 68 von Wagner erhaltenen Fotografien zusammengetragen und in chronologischer Reihenfolge...
