Bilder des Schicksals
25. Juli 2025: Letzter Tag der «Ouverture spirituelle», des Einstiegsprogramms vor der eigentlichen Eröffnung der Salzburger Festspiele. Alexander Pereira hatte dieses Vor-Spiel 2012 als Dialog der Religionen in der katholischen Festivalstadt eingeführt. Heute versteht es Intendant Markus Hinterhäuser als «Reise durch die ganze Musikgeschichte – von der Renaissance bis in die Jetztzeit», bis zum dreiaktigen Musiktheater «Macbeth» (2002) von Salvatore Sciarrino. Konzertant aufgeführt in der ausverkauften Kollegienkirche. Schilder mit «Suche Karte» werden hochgehalten.
Wissen die Leute, was sie erwartet? Offensichtlich nicht. Kaum sind alle drin, kaum haben das Klangforum Wien und das solistische Vokalensemble Cantando Admont unter der berufenen Leitung von Vimbayi Kaziboni das erste Sciarrino-spezifische Gewisper, seine Hauch- und Fauchgeräusche in den Kirchenraum geschickt, wollen die Ersten schon wieder raus. «Ich geh jetzt», sagt mein übernächster Sitznachbar später nachdrücklich zu seiner Begleiterin und zieht sie beleidigt vom Stuhl. «Fatum» hatte Hinterhäuser als Leitidee für die diesjährige «Ouverture spirituelle» ausgegeben. Und wer sich nicht voreilig der Macht von ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Lotte Thaler
In den Rang eines Sympathieträgers hat es der Dirigent Karl Böhm nie geschafft. Achtung, Interesse, Furcht: ja, Liebe: kaum. Böhm hat mit seiner Person viel dazu beigetragen, begonnen beim bereitwilligen Mitläufertum während der Nazi-Zeit (ein Wort des Bedauerns hat er dazu nie gefunden), bis hin zu seinem Ruf als Probenteufel. Kameramitschnitte von Proben Karl...
Die Wissenschaft tappt im Dunkel. Wobei es sich hier nicht etwa um Phänomene der Quantenphysik handelt, sondern um Musikologie und konkret um eine Oper des Barock, um «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (geboren um 1640 in Venedig, gestorben etwa 1720 in Paris). Das Stück beschreibt eine Episode aus dem Leben des Herkules und war Louis XIV., dem gottgleichen König,...
Der 28. September 1675 war ein großer Tag – zumindest für Karl XI. Im Dom zu Uppsala wurde der seit 1660 unter der Vormundschaft seiner Mutter Hedwig Eleonora von Schleswig-Holstein-Gottorf sowie fünf hochrangiger Staatsbeamter regierende Thronfolger endlich zum König von Schweden gekrönt. Und wie es rückblickend den Anschein hat, war er nicht nur ein weiser...
