Bestäubter Erfolg

Vollmer: Rummelplatz CHEMNITZ | THEATER

Opernwelt - Logo

Diese Uraufführung Ludger Vollmers und seiner Librettistin Jenny Erpenbeck, entstanden nach dem verzweifelt um seinen Fortschrittsoptimismus kämpfenden, schließlich abgebrochenen Roman-Epos Werner Bräunigs und mit beträchtlichem Aufwand als eines der Zentralereignisse des Chemnitzer Kulturhauptstadt-Jahres vorbereitet, war ein großer Erfolg.

Da allerdings mancher schnell ausgekostete Rausch einen längerfristig letalen Ausgang bedingen kann, muss man vorsichtig bleiben, und es mischt sich womöglich etwas toxischer Staub in die reine Freude – ähnlich dem jener «Schneeberger Krankheit», die gegen Ende schicksalsschwer durch den Text geistert: radioaktiver Feinstdreck, der sich bei der Untertage-Arbeit in die Lungen der Wismut-Kumpel einnistete und ihnen weit überdurchschnittliche Frühsterberaten bescherte. Andererseits erhielten die Bergleute beim sowjetisch dirigierten Uranschürf-Unternehmen nicht nur soziale Betreuung und Hochprozentiges zum Billigpreis, sondern auch die höchsten Löhne der damaligen Ost-Besatzungszone. In Chemnitz saß bis zur Auflösung 1991 die Zentrale des inzwischen deutsch-russischen Unternehmens, Nachfolgeeinrichtungen arbeiten bis heute; auch diese enge lokale ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Gerald Felber

Weitere Beiträge
Elsa, was tust Du?

Die Sentenz sitzt: «Unglücklich das Land, das keine Helden hat. – Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.» So hat es Bertolt Brecht einmal notiert, und so könnte auch die Überschrift zur «Lohengrin»-Inszenierung von Richard Brunel lauten, mit der Bodo Busse seine Intendanz an der Staatsoper Hannover eröffnet hat. Ein denk-würdiger Abend im besten Sinne des...

Nähmaschinenmusik

Dem Namen des heute vergessenen italienischen Barockkomponisten Geminiano Giacomelli ist der interessierte Hörer erstmals 2009 auf Cecilia Bartolis CD «Sacrificium» begegnet. Damals sang Bartoli die Arie des Epitide «Sposa, non mi conosci» aus Giacomellis «Merope» – Musik mit Suchtcharakter, die daran erinnert, dass aus derselben Oper auch die Arie «Quell’usignolo»...

Eine Verheißung

Puccinis Oper «Manon Lescaut» erzählt die Geschichte einer Frau, die auf Geheiß des Vaters von ihrem Bruder in ein Kloster gebracht werden soll. Mit einer Postkutsche. Auf dem Marktplatz von Amiens machen sie halt, zwei Herren sind nun hinter Manon her, der schockverliebte Student Des Grieux und der Machtmensch Geronte. Es geht nicht gut aus. Will man das heute so...