Beschränkte Optik
Die Oper ist ein unmögliches Kunstwerk.» Mit diesem verbalen Paukenschlag hat Oscar Bie 1913 sein brillantes, noch immer lesenswertes Buch «Die Oper» eröffnet. Carolyn Abbate und Roger Parker sind derselben Meinung.
Die beiden renommierten angloamerikanischen Musikwissenschaftler geben sich allerdings entschieden konservativer als der deutsche Kulturhistoriker, der die Oper vor Gluck noch nicht zu kennen brauchte und die nach Strauss noch nicht kennen konnte, wenn sie die Gretchenfrage nach der expliziten Künstlichkeit und damit zugleich der mangelnden Realitätsnähe des Genres mit einem Bekenntnis zur «Überzeugungskraft des reinen Gesangs» beantworten. «Die handelnden Personen» – so grenzen sie die Oper des 19. gegenüber der des 20. Jahrhunderts ab – «hatten Gefühle, die sie auch äußerten, und die Musik war da, um diese Botschaft zu transportieren.» Mit dieser hedonistischen Ästhetik schlagen sie sich auf die Seite des Publikums, das – angeblich – immer die gleichen Stücke sehen will und eines musealen Repertoirebetriebs, der dem Wunsch in stets neuer Regie-Verpackung entspricht.
Abbate/Parker handeln darum vor allem von Komponisten und Stücken, die heute noch gespielt werden – ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
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