Begrenzter Tiefgang
«Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad ...» Warum fällt uns bei Mephistos auch auf dem Cover der DVD abgebildeter Teufelsfahrt auf dem Krad – mit Faust dahinter auf dem Doppelsitz – dieses Kinderlied ein? Vielleicht, weil Roland Schwabs Inszenierung von Boitos «Mefistofele» an der Bayerischen Staatsoper bei aller Düsternis in ihrer betriebsamen Verspieltheit auch etwas Kindliches hat? Den szenischen Rahmen bildet eine Art verfallener Flugzeug-Hangar, der (wie mehrfach festgestellt wurde) an den Zeittunnel in Götz Friedrichs Berliner «Ring»-Inszenierung erinnert.
Er dient zunächst Drogensüchtigen als Unterschlupf und erinnert in der Exaltiertheit der szenischen Arrangements manchmal eben auch an einen Hühnerstall. Schwab hört auf den Rat von Goethes Theaterdirektor, schont Prospekte nicht und nicht Maschinen, beschwört Rummelplatz-Atmosphäre und Budenzauber, siedelt die klassische Walpurgisnacht in einer Nervenheilanstalt an. «The Rake’s Progress» lässt grüßen.
Es ist eine wilde, doch letztlich konventionelle Show mit Oberflächenreiz, aber begrenztem Tiefgang. Der Titelheld wiederum hat so gar nichts Brunnenvergifterisches an sich; des ständigen Verneinens ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion...
Charlotte und Werther verheiratet? Eltern eines ansehnlichen Sohnes? Ergraute Ruheständler, die unter dem Weihnachtsbaum Goldene Hochzeit feiern? Von Anfang an sehen wir den Helden in einem abgewetzten Sessel sitzen, in großen Zügen harte Sachen trinken und mit einem Behältnis spielen, das jene fatalen Pistolen enthält, die er sich Ende des dritten Akts von...
Der enthusiastische Dilettant war seit je ein geheimer König im Musik- und Theaterleben des Vereinigten Königreichs. Deswegen scheint es nicht so unwahrscheinlich, dass Henry Purcells «Dido and Aeneas» zunächst als Schulaufführung präsentiert wurde, und zwar 1689 in Josias Priests Mädchenpensionat in Chelsea. Priest war freilich zugleich Ballettmeister am...
