Begrenzter Tiefgang
«Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad ...» Warum fällt uns bei Mephistos auch auf dem Cover der DVD abgebildeter Teufelsfahrt auf dem Krad – mit Faust dahinter auf dem Doppelsitz – dieses Kinderlied ein? Vielleicht, weil Roland Schwabs Inszenierung von Boitos «Mefistofele» an der Bayerischen Staatsoper bei aller Düsternis in ihrer betriebsamen Verspieltheit auch etwas Kindliches hat? Den szenischen Rahmen bildet eine Art verfallener Flugzeug-Hangar, der (wie mehrfach festgestellt wurde) an den Zeittunnel in Götz Friedrichs Berliner «Ring»-Inszenierung erinnert.
Er dient zunächst Drogensüchtigen als Unterschlupf und erinnert in der Exaltiertheit der szenischen Arrangements manchmal eben auch an einen Hühnerstall. Schwab hört auf den Rat von Goethes Theaterdirektor, schont Prospekte nicht und nicht Maschinen, beschwört Rummelplatz-Atmosphäre und Budenzauber, siedelt die klassische Walpurgisnacht in einer Nervenheilanstalt an. «The Rake’s Progress» lässt grüßen.
Es ist eine wilde, doch letztlich konventionelle Show mit Oberflächenreiz, aber begrenztem Tiefgang. Der Titelheld wiederum hat so gar nichts Brunnenvergifterisches an sich; des ständigen Verneinens ...
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