Aus der Mottenkiste
Ihre erste gemeinsame Arbeit für die Musiktheaterbühne wurde vor 15 Jahren in San Francisco uraufgeführt: «Dead Man Walking». Seitdem sind Jake Heggie und sein Kompagnon Terence McNally ein gefragtes Gespann. An der Dallas Opera meldeten sich der Erfolgskomponist und der Erfolgsdramatiker unlängst mit ihrer jüngsten Errungenschaft zu Wort: «Great Scott». Eine, um es gleich zu sagen, ungelenke, überfrachtete Backstage-Comedy, die Heggie wieder einmal nutzt, um seine kompositorischen Anverwandlungskünste auszustellen.
Alles überzuckert mit der für ihn typischen sangbar-klebrigen Melodienglasur, versteht sich.
Und so geht der dünne Plot: Die berühmte Opernsängerin Arden Scott steckt in der Midlife-Crisis. Sie kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um mit der Uraufführung einer verloren geglaubten Belcanto-Oper an vergangene Bühnenerfolge anzuknüpfen. Zu dumm, dass am Premierenabend das lokale Football-Team ein wichtiges Spiel zu bestreiten hat. Schon diese Koinzidenz wirkt so konstruiert wie die meisten Einfälle des Librettisten. Probenszenen und Sequenzen aus der Vorstellung des wiederentdeckten Werks alternieren mit sentimentalen Flashbacks der Sängerin. Mal sinniert sie über ihre ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heidi Waleson
Der Mensch liebt es anscheinend, sich zu schinden. Etwa jeden Oktober auf der Hauptinsel von Hawaii beim «Ironman» – 3,86 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad sowie die traditionelle Marathon-Distanz von 42,2 Kilometern (die «Eisenmänner» der letzten beide Jahre waren übrigens Deutsche). Ob es Barrie Kosky 2012 mit dem Monteverdi-Triathlon zu Beginn seiner Ära an der...
Fahler Glanz flackert im Raum. Schneegrau schimmern Wand und Boden, salzmatt die Kleider. Der Stuhl, das Boot, das Bett. Mitten im Leeren steht eine Tür: Regisseur Graham Vick und sein Bühnenbildner Richard Hudson bezeichnen damit den Übergang zwischen zwei unscharf abgegrenzten, doch existenziell verschiedenen Zuständen: Leben und Tod. Denn um diesen Übergang geht...
Hector Berlioz’ «Benvenuto Cellini» erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Die Produktion der English National Opera aus dem Jahr 2014 (Inszenierung: Terry Gilliam) ist inzwischen aus London via Amsterdam nach Barcelona gereist. Die Oper Bonn hat eine 2008 in Nürnberg erarbeitete Inszenierung von Laura Scozzi reaktiviert. Und in Köln konnte der neue GMD...
