Aus dem Leben eines Zaren

Valery Gergiev herrscht uneingeschränkt am Moskauer MariinskyTheater. Was stimmt, ist die künstlerische Qualität. Aber auch die Nähe zu Putin ist evident. Am 2. Mai wird der Dirigent 70

Opernwelt - Logo

Seit 2019 findet im Konzertsaal «Sarjadje» direkt neben dem Kreml das «Gergiev-Festival» statt, mit konzertanten Opernaufführungen und Symphoniekonzerten durch Orchester, Chor und Solisten des Mariinsky-Theaters. Das Publikum schätzt das Repertoire und die ausgezeichnete Qualität der Darbietungen. Das Ganze hat nur einen Haken: Das Programm wird frühestens eine Woche vorher bekannt gegeben. Eine Spezialität des Hauses. Genauso verfährt man dort beim Frühlingsfestival «Weiße Nächte». Gergiev selbst kündigt sein Auftreten im allerletzten Moment an.

Als Dirigent kann er sich das erlauben: Einmal dirigierte ein anderer Musiker Offenbachs «Les contes d’Hoffmann», obwohl Gergievs Name im Programmheft stand. 

Gergiev und kein anderer: Im Mariinski-Theater hat man sich in den letzten 34 Jahren daran gewöhnt, dass er persönlich diese Art Entscheidungen trifft. Gergiev delegiert keine einzige seiner Intendantenfunktionen an jemand anderen im Haus. Der gesamten «Theaterleitung» ist es verboten, über das Innenleben des Mariinski auch nur ein einziges Wort nach außen dringen zu lassen.

Andererseits ist der Umfang des Repertoires einzigartig: Unter 109 Titeln befinden sich praktisch alle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
Nur wer die Sehnsucht kennt ...

Rusalka» boomt. Allein im Südwesten Deutschlands steht Dvořáks populärste Oper in dieser Spielzeit in Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg auf dem Spielplan. Das Thema ist en vogue: Rusalka, die Nixe, die glaubt, im falschen Körper zu leben. Die mit einer anderen Identität aber auch nicht glücklich wird – das klingt nach 21. Jahrhundert. Kateryna Sokolova lässt sich...

Hinter Schleiern

Diese «Tristan und Isolde»–Produktion besitzt unbestreitbare musikalische Qualitäten. Samuel Sakker, der kürzlich an der Seite von Dorothea Röschmann in Nancy als Tristan debütierte, hat seither noch an Souveränität gewonnen. Vor allem der dritte Aufzug mit den sehnenden Fieberfantasien geriet ihm jetzt mustergültig – von der Wortverständlichkeit über die mühelosen...

Vom Geist beherrschte Magie

Wie gefährlich es sein kann, sich in Form einer Biografie einem lebenden Komponisten anzunähern, der selbst mit unzähligen Schriften sein Œuvre sowie die ihm zugrundeliegenden ästhetischen Imperative wort- und gedankenreich zu «erklären» wusste, hat zuletzt der Fall Wolfgang Rihm gezeigt. Beide Versuche, ihm und seinem Schaffen gerecht zu werden, scheiterten, so...