Aufstand im Notstand
Der Ausnahmezustand, in den das Coronavirus die Welt katapultiert hat, sorgt auch in den Theater- und Opernhäusern für nie dagewesene Situationen. Und für Wortschöpfungen, die den Ausnahmefall bezeichnen. «Geisterpremiere» ist solch eine Neuschöpfung. Oder «Geisterkonzert». Angesprochen wird hier eine Art Simulation des Ernstfalls: Veranstaltungen, die zwar stattfinden, aber mit Absicht ihren eigentlichen Sinn verfehlen – nämlich ein leibhaftig anwesendes Publikum zu erreichen.
Eine solche Geistervorstellung war – wenige Tage vor dem republikweit verfügten Verbot von Versammlungen – in der Oper Dortmund zu erleben: Daniel-François-Esprit Aubers selten gespielte «Stumme von Portici». Nur einige Vertreter der Presse waren im Saal zugelassen.
Musiktheater ist bekanntlich eine Kunstform, in der im besten Fall sehr vieles zusammenfindet: Regie, Bühnenbild, Licht, Kostümgestaltung, Chor, Orchester, Solisten, Dirigent – sie alle müssen an einem Strang ziehen. Dafür läuft der hochkomplexe Apparat eines Opernhauses während der Endproben auf Hochtouren; das Ziel: alle Gewerke und Disziplinen auf die Sekunde präzise zu verzahnen. Daher gilt für die letzten Proben stets: Ende offen!
In ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Regine Müller
Aufgrund der Maßnahmen zur Eindä̈mmung einer raschen Verbreitung des Coronavirus sind auch Fernsehanstalten von kurzfristigen Programmänderungen betroffen. Dies gilt insbesondere für geplante Live-Übertragungen öffentlicher Veranstaltungen. Aktuelle Informationen entnehmen Sie bitte den Websites der Sender. Ergänzt haben wir diesmalunsere Tipps mit Angaben zur...
Er hat sich am Kopfe der Treppe aufgebaut. Herrisch schwillt die nackte Brust, schwingt die hüftlange Mähne. Don Giovanni reckt die Hüfte vor, sichtlich stolz auf den Inhalt seiner buntbedruckten Hose. Dann tritt er ab, gefolgt von reihenweise reizschwarzgekleideten Pornohäschen und Stricherboys.
So charakterisiert in Helsinki Jussi Nikkilä den Titelschurken...
Wie das neonleuchtende Logo einer Konzernzentrale prangt das «W» an jenem die Rückwand der Bühne bildenden Gerüst, von dem der aus der Handlung abgetretene, nunmehr stumme Wotan-Wanderer die Vollendung seiner Götterdämmerung distanziert, resigniert und doch interessiert betrachtet. Der Buchstabe war das Signet der vorangegangenen drei Teile der Tetralogie. Er...
