Auf nach Nürnberg!

Joana Mallwitz verschmilzt in Wagners «Lohengrin» Finesse mit großem Aufriss, David Hermann akzentuiert auf der Bühne des Staatstheaters Nürnberg eine mission impossible

Opernwelt - Logo

Was tun mit Gottfried, dem abwesenden, vermeintlich von Elsa getöteten Kind, das am Ende wundersam stumm wieder auftaucht? Ein Fall für Statisten zwischen sechs und 16? Hans Neuenfels ließ diese Erlöserfigur in Bayreuth als Homunkulus auftreten, Yuval Sharon als giftgrünen Plüschanzugmann. In Nürnberg trägt Brabants neuer Führer Minidutt, Fellkragen, löchrige Hose, Netzhemd, alles in Schwarz. Man kennt ihn gut: Es ist Friedrich von Telramund, auferstanden von den Toten, um zum bedrohlichen A-Dur-Crescendo auf dem Eichenthron Platz zu nehmen.

Ein letztes Mal greift da Lohengrins Papa in die Handlung ein, weil dem Sohn die erste Reise im Dienste des Grals zur mission impossible wird. Parzival ist stumm und ständig präsent in dieser Aufführung, ebenso wie Widersacher Wotan. Zum Brautchor darf der auf leerer Bühne ein Riesenschwein verspeisen und sich in die Besinnungslosigkeit saufen. Wer «Game of Thrones» und sonstige Fantasy-Abenteuer kennt, ist bei Regisseur David Hermann, Ausstatter Jo Schramm und der wunderbaren Kostümbildnerin Katharina Tasch in besten Händen. Doch wer glaubt, das Team nutze die Ästhetik wie viele andere nur, um dem Stück die Luft herauszulassen, Pathos mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Böse, böse

«Le vieil hiver a fait place au printemps;/ La nature s’est rajeunie»! Die Strecke von Lewes nach Glyndebourne – ein lockerer Vier-Meilen-Marsch – ist ohne Weiteres zu Fuß zu schaffen. Auf den Kreidekämmen der South Downs hat der Frühling nicht minder mächtig zugeschlagen als auf den ungarischen Feldern in Berlioz’ «Damnation de Faust». Sogar einen Hirten gibt es....

Chamäleon

Gute Laune ist der Hauptgang dieses Menüs, das sich «Songplay» nennt und als dessen Köchin Joyce DiDonato fungiert. Wenngleich man sich beim Hören auch an Fritz Kortner erinnern mag, der einmal gestand, er habe gelacht, aber unter seinem Niveau. Denn nicht alles scheint gelungen; manches bleibt im Niemandsland des Crossover hängen. Obwohl es dann doch wieder...

Frauenleben, Männerqualen

Schönes Entrée: Unzählige bunte Fahnen flattern am Ausgang des Rotterdamer Hauptbahnhofs im Wind, sämtlich tragen sie die Aufschrift «Operadagen». Das Festival, das im Mai seine 14. Ausgabe feierte, ist ein Großereignis in der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde und mit ihrem Mut für avantgardistische Baukonzepte als Ikone...