Auf immer Erdverlorene
In einem Frankfurter Vorort irritiert das Plakat «Heimatboden statt Beton»: weniger wegen des Vorbehalts gegenüber dem Beton, der zur «Versiegelung» der Landschaft beiträgt (und somit auch zu manchen Überschwemmungs-Katastrophen), vielmehr des unbefangenen Umgangs mit nicht ganz unbelasteten Wörtern wie «Heimat» und «Boden» wegen, die zumindest im Zusammenhang mit Slogans, die «Identität» oder «Leitkultur» enthalten, bedenklich klingen.
Dabei ist das Thema brandaktuell: Zeugen doch die weltweiten Flüchtlings-Bewegungen vom Elend durch Diktaturen, Kriege, Umweltzerstörung, das Menschen zwingt, ihr Land zu verlassen, auf der Flucht umzukommen oder mehrfach zu scheitern: Migranten-Schicksale, bedrückend allemal.
Nun ist zwischen Emigranten und Auswanderern zu unterscheiden, obschon die Grenzen fließend sind. Flüchteten die einen etwa vor dem NS-Terror, so zog es andere im 19. Jahrhundert aus Osteuropa, Irland oder Italien ins «Gelobte Land» von Freiheit und Wohlstand – in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie sich gezielt ein besseres Leben erhofften. Nicht wenigen gelang dies auch, «doch die im Dunkeln sieht man nicht».
Zu den «Auswanderer»-Ländern gehörte Litauen, agrarisch ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard R. Koch
Etwas ist anders als sonst. Genauer: eine Figur, die das Stück gar nicht vorsieht. In wallendem Gewand schwebt der holde Knabe im lockigen Haar (Felix Hennig) über die Bühne und um die Figuren herum, immer eine oder mehrere Puppen in den Händen, den Blick mit hingebungsvoller Zärtlichkeit auf die Protagonisten gerichtet. Ein Engel mit weißen Flügeln, der nicht nur...
Als Giuditta Pasta 1850 in London ihre letzten Konzerte sang, war ihre Stimme, wie Henry Fothergill Chorley in seinen Erinnerungen berichtet, «in a state of utter ruin». Voller Trauer sagte Pauline Viardot: «Es ist wie das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci – ein Wrack von einem Bild, aber dieses Bild ist das größte Gemälde der Welt.» In Erinnerung an eine...
Richard Wagner selbst sah sie bekanntlich als Studien zur ultimativen Obsession seiner «Handlung» in drei Aufzügen. Und auch für Anja Harteros dürften die «Wesendonck-Lieder» ein Etappenziel gewesen sein – zur ersten Isolde, die sie im Sommer am Münchner Uraufführungsort riskierte (OW 8/2021). Weniger um Konditionelles ging es naturgemäß bei der CD-Einspielung der...
