Auf immer Erdverlorene

Von aktueller Dringlichkeit: Das Theater Osnabrück zeigt Karol Rathaus’ Oper «Fremde Erde»

Opernwelt - Logo

In einem Frankfurter Vorort irritiert das Plakat «Heimatboden statt Beton»: weniger wegen des Vorbehalts gegenüber dem Beton, der zur «Versiegelung» der Landschaft beiträgt (und somit auch zu manchen Überschwemmungs-Katastrophen), vielmehr des unbefangenen Umgangs mit nicht ganz unbelasteten Wörtern wie «Heimat» und «Boden» wegen, die zumindest im Zusammenhang mit Slogans, die «Identität» oder «Leitkultur» enthalten, bedenklich klingen.

Dabei ist das Thema brandaktuell: Zeugen doch die weltweiten Flüchtlings-Bewegungen vom Elend durch Diktaturen, Kriege, Umweltzerstörung, das Menschen zwingt, ihr Land zu verlassen, auf der Flucht umzukommen oder mehrfach zu scheitern: Migranten-Schicksale, bedrückend allemal.

Nun ist zwischen Emigranten und Auswanderern zu unterscheiden, obschon die Grenzen fließend sind. Flüchteten die einen etwa vor dem NS-Terror, so zog es andere im 19. Jahrhundert aus Osteuropa, Irland oder Italien ins «Gelobte Land» von Freiheit und Wohlstand – in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie sich gezielt ein besseres Leben erhofften. Nicht wenigen gelang dies auch, «doch die im Dunkeln sieht man nicht».

Zu den «Auswanderer»-Ländern gehörte Litauen, agrarisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Editorial November 2021

«Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist», wusste schon Guiseppe Lampedusa in seinem Roman «Der Leopard». Der Theaterverlag – Friedrich Berlin hat seit ein paar Wochen einen neuen Eigentümer, den Deutschen Fachverlag in Frankfurt und mich, Torsten Kutschke, als geschäftsführenden Gesellschafter. Die ersten Begegnungen waren aufregend und...

Sängerinnenfest

Seit März 2020 bestimmt das Wort «eigentlich» die Bühnengegenwart. Eigentlich sollte damals in Saarbrücken der neue «Ring» in der Inszenierung, dem Bühnenbild und den Kostümen von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka starten. Die Proben zum «Rheingold» waren weit gediehen. Was folgte, ist bekannt. Am 18. September 2022 soll nun Premiere sein. Zum Start der...

Sonnenende

Die Idee hatte Aviel Cahn, seit 2019 Intendant des Grand Théâtre de Genève. Und sie war kühn. Gleich neun verschiedene Institutionen sollten gemeinsam ein Opernlabor ins Leben rufen. Doch das Interesse war groß genug. Die Idee wurde Wirklichkeit, erhielt den Namen «OperaLab» und vereinigte als Mitstreiter unter anderem die Comédie de Genève, die Musikhochschulen in...