Atmosphäre pur

Massenet: Werther am Gärtnerplatztheater München

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Kein Anschluss mehr unter dieser Nummer. Ins Leere geht Charlottes Griff nach dem Telefon, das an langer Schnur herunterbaumelt. Werther stirbt, mezza voce gesungen von Lucian Krasznec oder schon fast tonlos; Sophie Rennert schmiegt sich ihm in sanften Farben an. Am Münchner Gärtnerplatztheater ist Jules Massenets «Werther» in doppeltem Sinne ein «Drame lyrique», lyrischer als gewöhnlich jedenfalls, was die Titelrolle angeht. Krasznec ist um Spitzentöne keineswegs verlegen, meidet aber alle äußerliche Emphase, lotet eher die Piano-Farben aus.

Sein Werther ist ein Träumer, der sich vorsichtig durch die Welt tastet, bevor er an ihr zerbricht, wohl auch deshalb Charlotte nicht endgültig gewinnen kann. Dabei bezaubert Krasznec mit Schwelltönen und dem Einsatz der voix mixte nicht nur sie, führt seinen Tenor nach französischem Vorbild weich und bruchlos über den Passagio. Auch Rennerts hell timbrierter Mezzosopran weiß besonders zu Beginn Trauer und Zweifel zu erkunden, flüssig und zugleich klar in der Deklamation. Aber ihr Zugang wird zunehmend dramatischer, steigert sich im dritten Akt in glühende Intensität. 

Es passt zu Herbert Föttingers Inszenierung, in der Charlotte eigentlich ...

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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Michael Stallknecht

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