Apropos ... Wotan
Herr Uusitalo, bei der «Walküren»-Premiere an der Wiener Staatsoper versagte Ihnen im letzten Jahr auf offener Bühne die Stimme. Was fühlt man in so einem Moment?
Für mich war das natürlich ein ziemlicher Schock. Ich hatte geglaubt, ich könnte das schaffen, obwohl ich krank war – auch weil der Arzt mir grünes Licht gegeben hatte. Aber das war etwas zu optimistisch, und der zweite Akt war für mich ein einziges Diminuendo, bis die Stimme völlig weg war. Das lag daran, dass der Entzündungsherd im Hals ganz dicht an den Stimmbändern lag.
Hat das eigentlich Konsequenzen für die anstehende «Rheingold»-Premiere? Ist da der Druck größer?
Nein, so etwas passiert nun mal. Damit muss man leben.
Gibt es für Sie einen wesentlichen Unterschied im Charakter der beiden Wotan-Rollen?
Für mich ist der Wotan im «Rheingold» ein vitaler Mann auf der Höhe seiner Schaffenskraft, der noch alles erreichen will. Die überwiegend rezitativische Anlage der Passagen spiegelt den Zustand wider, dass noch alles im Fluss und nichts entschieden ist. In der «Walküre» hat er dagegen schon alles verloren, aber gerade das macht ihn so menschlich. Ich versuche auch, meinen Wotan nicht pompös zu singen, sondern die Wehmut in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nachträgliche Millionenkürzungen des aktuellen Etats, die politisch motivierte Drohung, eine kommissarische Verwaltung zu installieren (mit Streikwarnungen aus allen Gewerken): In die gerade erst angebrochene Morgenröte der römischen Oper haben sich schon wieder düstere Wolken geschoben. Gerade ist dort die zweite Doppelpremiere der Spielzeit «in scena» gegangen....
Das eigene Sterben, den eigenen Tod öffentlich auszustellen, war lange ein Tabu. Inzwischen ist die (Selbst-)Darstellung des Lebensendes sogar auf dem Boulevard anzutreffen: Über Monate beherrschte in Großbritannien eine junge Frau namens Jade Goody die Medien, die durch eine britische «Big Brother»-Staffel zu zweifelhafter Bekanntheit gekommen war und nach einer...
Das ganze Drama, die ganze Tragik steckt in drei Takten. Wenn man den Sextaufschwung und den fallenden Sekundschritt abzieht, mit denen die Celli, pianissimo, auf jenen berühmten Akkord hinleiten, den Wagner ins Zentrum seiner symphonisch flutenden «Handlung in drei Aufzügen» stellt, sind es sogar nur zwei Takte, die gleich zu Beginn das fatale Glück Tristans und...
