Apropos... Gerechtigkeit
Frau Polaski, am Ende von Janáceks Oper muss die Küsterin für den Mord an Jenufas Kind in den Knast. Finden Sie das eigentlich gerecht?
Die Frage ist doch, was schlimmer ist: weiterzuleben und sich mit dem auseinandersetzen zu müssen, was man getan hat, oder etwa die Todesstrafe, die ja auch denkbar wäre. Ich bin mir da nicht sicher, was ich selbst wählen würde. Obwohl es fürchterlich ist, jeden Tag mit dem Bewusstsein einer schweren Schuld aufzuwachen, sehe ich darin auch die Chance, durch die Auseinandersetzung zu wachsen.
Und ich denke, dass die Küsterin so eine Entwicklung durchmachen wird. Sie ist ja eigentlich ein denkender Mensch, der immer nur das Beste gewollt hat.
In Aufführungen bekommt sie allerdings oft hexenhafte, dämonische Züge…
Für mich ist die Küsterin im Grunde ein guter Mensch, der durch die bittere Lebenserfahrung und gesellschaftliche Zwänge verhärtet ist. Am Ende zeigt sie eine Größe, die mich immer wieder persönlich bewegt: Es ist der Moment, in dem sie bekennt, dass sie sich selbst mehr geliebt hat als Jenufa.
Sie kommen zwar aus den USA, aber ebenfalls vom Land. Erinnern Sie die Verhältnisse in Jenufas Dorf an die Umgebung, in der Sie aufgewachsen sind?
Eigen ...
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