Apropos... Abschiede
Fühlen Sie schon Wehmut in sich aufsteigen?
Gar nicht. Und das aus gutem Grund: Ich habe einen unbefristeten Vertrag und besitze das große Privileg, den Zeitpunkt meines Ausscheidens selber wählen zu können. Das Einzige, was mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, ist der Zeitplan. Ich wollte gehen, nachdem wir in unser Stammhaus, das Grand Théâtre, zurückgekehrt sind. Doch die Arbeiten sind nicht rechtzeitig fertig geworden. Deswegen ist mein Plan nicht aufgegangen – und meine letzte Saison nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt habe.
Das hat jedoch nichts mit Wehmut zu tun, sondern mit erheblichem Ärger. Wenn Sie sich sagen: Ich kann aufhören, wann ich will, und müssen dann in weniger als zwölf Monaten einen ganzen Spielplan umschmeißen – das ist schlimm. Die Wehmut wird sich vielleicht später einstellen. Wir sind am Theater ja alle ein bisschen sentimental.
Sie sind ein erfahrenes Theatertier. Da geht man nicht raus ohne Schmerz, oder?
Nein, das kann man nicht. Aber es wird Sie vielleicht erstaunen: Ich habe es oft erlebt, dass Menschen nicht den richtigen Zeitpunkt gewählt haben, um den Absprung zu finden. Wenn Sie einmal die Karriere meines Vaters anschauen (Karl ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 103
von Jürgen Otten
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