Apotheose via Warenlift
Der Weg zu «Orfeo» und in die Hölle ist mit festlichen Klängen gepflastert. Er führt vorbei an bleichen Russen, die vor hell erleuchteten Restaurants auf dem Akkordeon ihre Bach-Toccaten und auf der Treppe zum Theater im Bläserquintett virtuose Opern-Arrangements spielen. Im Foyer warten schon die Blechbläser der Camerata Bern, die Monteverdis Eingangstoccata ebenso gut spielen wie die Russen vor der Tür ihren Rossini. Der Alltag dringt durch alle Ritzen dieses «Orfeo», auch in den pastoralen Lustbarkeiten des ersten Akts.
Statt auf eine arkadische Schäferidylle blickt man auf den von Marsha Ginsberg als Künstleratelier eingerichteten Innenraum eines heruntergekommenen Renaissance-Palastes, wo Orfeo zur wilden Hochzeitsparty geladen hat. Frank Lichtenberg hat die Feiernden in weiße, diskret nach der Mode der Roaring Twenties geschnittene Kleider gesteckt und bunte karnevaleske Kostüme daruntergemischt. Es wird getrunken, gerammelt und gelacht, und mittendrin steht etwas unbeholfen der Gastgeber herum.
In der imposanten Gestalt von Uwe Stickert gleicht er mehr einem wilhelminischen Malerfürsten als einem von Liebessehnsucht verzehrten griechischen Hirten. Musikalisch jedoch kommt ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Max Nyffeler
Central City Opera
Im Überschwang des Goldrauschs baute sich Central City ein eigenes Opernhaus. Wie so viele Städte in den Rockies. Rund 100 Jahre später gab es in der Stadt weniger Menschen als Plätze in der Oper. Das Theater hat’s überlebt – Spielhöllen sei Dank.
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Am liebsten tingelt Angelika Kirchschlager durch die Dörfer, um in ScheunenLieder zu...
Während auf der großen Seebühne gezauberflötet oder in den Tod gesprungen wurde, war das Festspielhaus der Bregenzer Festspiele in der Intendantenzeit von David Pountney (2003 bis 2014) Opernraritäten und Uraufführungen vorbehalten. Zwei Novitäten stachen heraus: Vor fünf Jahren brachte Pountney, 42 Jahre nach der Fertigstellung, die szenische Erstaufführung von...
Eigentlich muss man Andris Nelsons sehen. Wie er sich hinter Partitur und Dirigentenpult duckt, als wolle er von den Klangwellen, die er eben entfesselte, nicht weggespült werden. Und wie er dann als Springteufel wieder hochkommt. In dieser CD-Einspielung von Wagners «Fliegendem Holländer» aus Amsterdam sieht man ihn nicht, doch man spürt Nelsons Körpersprache in...
